Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks
Daniel Schenk
Im Alten Testament finden wir verschiedene Vorbilder auf Jesus Christus hin. Das markanteste davon ist Melchisedek, der König und Priester von Salem (später Jerusalem). In 1.Mo.14 wird uns erzählt von einem Krieg von vier gegen fünf Könige der Region, in der Abraham lebte. Dabei wurde auch Sodom überfallen und Lot, der Sohn von Abrahams Bruder, geriet in Gefangenschaft. Ein Entkommener meldete dies dem Abraham. Dieser zog mit 318 seiner Knechte aus und jagte den Entführern nach, schlug sie, befreite Lot und brachte auch die ganze Beute und alle geraubten Menschen zurück. Nach diesem Sieg zog ihm Bera, der König der sündigen Stadt Sodom entgegen und wollte ihn reich beschenken, doch Abraham lehnte die Geschenke ab. Gott prüfte dadurch seine Herzenshaltung, doch er liess sich nicht durch irdischen Reichtum blenden. Das war die Voraussetzung, dass Gott ihn durch einen Priester besonderer Art in übernatürlicher Weise segnen konnte. In 1.Mo.14.18-20 lesen wir darüber folgendes:
„Und Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein heraus; und er war Priester Gottes des Höchsten. Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet sei Abraham von Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde geschaffen hat! Und gesegnet sei Gott, der Höchste, der deine Bedränger in deine Hand ausgeliefert hat! – Und Abraham gab ihm den Zehnten von allem.“
Dass Melchisedek Brot und Wein brachte, weist schon auf das Opfer Jesu hin. Auch uns hat der Herr Jesus für das Mahl zum Gedächtnis an Seinen Opfertod Brot und Wein verordnet.
Wer war Melchisedek?
Melchisedek heisst übersetzt „König der Gerechtigkeit“ (Hebr.7.1+2), er war aber auch König von Salem (Friede). Der Name wurde später geändert in „Jerusalem“. Er war zugleich Priester Gottes des Höchsten und in dieser Stellung konnte er Abraham segnen und von ihm auch den Zehnten entgegennehmen. Über seine Herkunft und über die Dauer seines Priestertums steht folgendes in:
Hebr.7.3: „Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, hat er weder Anfang der Tage noch EndeeH des Lebens, er gleicht dem Sohn Gottes und bleibt Priester für immer.“
Das Priestertum von Jesus Christus
Der König David lebte in einer Zeit, als das levitische Priestertum in voller Blüte stand und er hat den Bau des Tempels massgeblich vorbereitet. Trotzdem hat er von einem besseren und ewigen Priestertum geweissagt und geschrieben:
Ps.110.4: „Geschworen hat der Herr, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks.“
Auf diese Aussage bezieht sich der Hebräerbrief und macht in verschiedenen Stellen im 5., 6. und 7. Kapitel klar, dass Jesus dieser verheissene Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks ist.
Der Unterschied zum Priestertum Aarons
- Indem Abraham als der Vorvater von Levi dem Melchisedek den Zehnten gab, drückte er aus, dass dessen Stellung und Priestertum höher ist (Hebr.7.6-10).
- Der alttestamentliche Priesterdienst war dem Stamm Levi anvertraut. Jesus, unser Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks, ging aus dem Stamme Juda hervor (Hebr.7.14).
- Das levitische Priestertum konnte keine Vollendung bringen, deshalb mussten die Opferungen fortwährend geschehen (Hebr.7.11+19). Durch unseren neutestamentlichen Hohenpriester ist ein einziges und ein für alle Mal gültiges Opfer geschehen, dadurch hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht (Hebr.10.10+14).
- Die Priester nach der Ordnung Aarons waren sterbliche Menschen und deshalb war ihr Priestertum zeitlich begrenzt. Das Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks ist ewig und unveränderlich (Hebr.7.23+24).
- Die levitischen Priester hatten ihre Stellung nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebotes, Jesus aber nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens (Hebr.7.16).
- Jene waren ohne Eid Priester geworden, dieser aber mit Eidschwur durch den, der zu ihm sprach: „Du bist Priester in Ewigkeit“ (Hebr.7.20-21).
- Jesus, als Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks, kann die, die sich durch ihn zu Gott nahen, völlig erretten. Das konnten die Priester des Alten Bundes nicht (Hebr.7.25).
- Unser Hohepriester erfüllt die hohen Anforderungen, wie sie aufgezählt sind in: 7.26+27: „Denn ein solcher Hohepriester geziemte sich auch für uns: heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern, und höher als die Himmel geworden, der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, dann für die des Volkes; denn dies hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat.“
- Kein irdischer Hohepriester hat diese Anforderungen erfüllen können, deshalb mussten sie auch immer zuerst für ihre eigenen Sünden Opfer darbringen, bevor sie für das Volk opfern konnten.
- Die levitischen Priester erfüllten ihren Gottesdienst an einem Abbild oder Modell des wahren Heiligtums (Hebr.8.5). Mose hat die Stiftshütte gemäss den Anweisungen und entsprechend dem Urbild angefertigt, das ihm von Gott auf dem Berge Sinai gezeigt worden war. Dabei handelte es sich um ein Abbild der Gemeinde. Jesus aber hat sich zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln gesetzt und ist somit der Fürsprecher und Hohepriester des wahren Heiligtums, nämlich der Gemeinde (Hebr.8.1+2).
Bessere Opfer
Die Priester des alten Bundes brachten sowohl blutige als auch unblutige Opfer dar.
Hebr.5.1 „Denn jeder aus der Zahl der Menschen genommene Hohepriester wird für Menschen zum Dienst vor Gott eingesetzt, um teils unblutige, teils blutige Opfer für Sünden darzubringen.“ (Menge)
Die wichtigsten, blutigen Opfer waren Brandopfer, Dankopfer, Sündopfer und Schuldopfer. Die vorgeschriebenen Opfer waren Stiere, Widder, Lämmer, Ziegenböcke und Tauben. Das Speisopfer war unblutig und bestand aus Feinmehl, Öl (mit Weihrauch) und Wein. Im Neuen Bund hat Jesus als unser Hohepriester das blutige Opfer zur Sühnung von Sünden selbst dargebracht. Dies ist ein für alle Mal gültig und muss nicht wiederholt werden. Die unblutigen Opfer aber sind die Lob- und Dankopfer, die ihm die Gemeinde fortwährend darbringt, aber auch Wohltun und Teilen sind Opfer, an denen Gott Wohlgefallen hat.
Hebr.13.15+16: „Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen! Das ist: Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Das Wohltun und Mitteilen aber vergesst nicht! Denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.“
1.Petr.2.5: „Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus!“
Was ist besser bei der Ordnung Melchisedeks?
Sowohl der Dienst, als auch der Bund und die Verheissungen unter dem Priestertum Melchisedeks sind besser als unter dem Priestertum Aarons.
Hebr.8.6: „Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, wie er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheissungen gestiftet worden ist.“
Hebr.7.22: „So ist Jesus auch eines besseren Bundes Bürge geworden.“
Änderung des Gesetzes und des Bundes
Hebr.7.12: „Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt.“
Wenn wir im neuen Bund unter dem Priestertum Melchisedeks leben wollen und dabei im Gesetz des Alten Bundes verhaftet bleiben, dann bekommen wir ein Problem. Jesus hat nicht diejenigen Ordnungen aufgehoben, die ein reines und heiliges Leben betreffen, aber er hat uns von all den Satzungen und Vorschriften über Speisen, Getränke, Sabbate usw. befreit. Diese Dinge waren nur Abschattungen auf Christus hin und sind im neuen Bund erfüllt.
Hebr.10.1: „Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst hat, so kann es niemals mit denselben Schlachtopfern, die sie alljährlich darbringen, die Hinzunahenden für immer vollkommen machen.“
Das hat auch Paulus bei seiner Verkündigung unter den Nationen immer wieder betont. Das Gesetz des neuen Bundes wird erfüllt durch die Liebe, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist (Rö.5.5). Im neuen Bund hat Gott Sein Gesetz in unseren Sinn gegeben und in unsere Herzen geschrieben. Dass diese Tatsache im Hebräerbrief sogar zweimal geschrieben ist, würde ich nicht dem schlechten Gedächtnis des Apostels zuschreiben, vielmehr ihrer Wichtigkeit.
Hebr.8.10: „Denn dies ist der Bund, … mein Gesetz gebe ich in ihren Sinn und werde sei auf ihre Herzen schreiben.“
Hebr.10.16: „Dies ist der Bund, den ich für sie errichten werden nach jenen Tagen, spricht der Herr, ich werde meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie auch in ihren Sinn schreiben.“
Wir sind dankbar, einen solchen Hohenpriester zu haben und wir wollen seinen Dienst auch in Anspruch nehmen, Er nimmt sich Zeit für uns.
Hebr.8.1: „Die Hauptsache aber bei dem, was wir sagen, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln, als Diener des Heiligtums und des wahrhaftigen Zeltes, das der Herr errichtet hat, nicht ein Mensch.“
Hebr.10.21+22: „Da wir einen grossen Priester über das Haus Gottes haben, so lasst uns mit wahrhaftem Herzen herzukommen, in Vollgewissheit des Glaubens.“