Der Gnadenthron
Daniel Schenk
Das Zelt der Zusammenkunft, so wird die Stiftshütte 144-mal bezeichnet, hat vielfältige prophetische Bedeutung. Als Mose in den 40 Tagen auf dem Heiligen Berg die Gesetze empfing, wurde er auch beauftragt, ein Heiligtum zu bauen. In 2. Mose 25 lesen wir von diesem Auftrag und wie im Gott auch die genauen Anweisungen zur Ausführung gab.
2. Mo.25.8+9: Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne. Nach allem, was ich dir zeige, nämlich dem Urbild der Wohnung und dem Urbild all ihrer Geräte, danach sollt ihr es machen.
Das Volk brachte freiwillige Heb Opfer und so kam das Material zum Bau der Stiftshütte zusammen. Am Fusse des Sinai wurde sie dann nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellt und eingeweiht. Während 500 Jahren diente diese dem Volk Israel als Heiligtum.
Gott hat dem Mose das Urbild gezeigt und ihm gesagt, dass er alles nach diesem Vorbild machen soll.
2. Mo.25.40 Und sieh zu, dass du alles nach ihrem Urbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist! Apg. 7,44; Hebr. 8,5
Die Stiftshütte ist ein Modell (Typos) für die Gemeinde, denn diese ist das wahre Heiligtum (Hebr.8.5). In der Stiftshütte weist aber auch alles auf Jesus hin. Denn Jesus ist der Herr der Herrlichkeit und wir lesen in
Ps. 29.9: In seinem Tempel ruft alles: „Herrlichkeit“! Oder: „spricht alles von Herrlichkeit“.
Die Deckplatte der Bundeslade
In dieser Wortbetrachtung wollen wir nur einen Bestandteil des Heiligtums, nämlich die thronartige Deckplatte der Bundeslade und seine Bedeutung anschauen. Deshalb gebe ich nur die Schriftstellen an, die diesen Teil betreffen. Diese Deckplatte wird auch Sühneplatte, Sühnedeckel, Gnadenstuhl oder Gnadenthron genannt.
2. Mo.25.17: Dann sollst du eine Deckplatte aus reinem Gold herstellen: zweieinhalb Ellen sei ihre Länge und anderthalb Ellen ihre Breite.
Das hebräische Wort für die Deckplatte ist „kapporeth“. Dieses ist von einem Zeitwort abgeleitet, das gewöhnlich „sühnen, versöhnen, Sünden bedecken“ bedeutet.
2. Mo.25.18-21: Und mache zwei goldene Cherubim; in getriebener Arbeit sollst du sie machen an den beiden Enden der Deckplatte, und zwar sollst du einen Cherub am Ende hier und einen Cherub am Ende dort machen. Aus einem Stück mit der Deckplatte sollt ihr die Cherubim machen an ihren beiden Enden. Und die Cherubim sollen die Flügel nach oben ausbreiten, die Deckplatte mit ihren Flügeln überdeckend, während ihre Gesichter einander zugewandt sind. Der Deckplatte sollen die Gesichter der Cherubim zugewandt sein. Lege die Deckplatte oben auf die Lade! In die Lade aber sollst du das Zeugnis legen, das ich dir geben werde.
Die Bedeutung der Deckplatte zur Zeit des Alten Testaments
Diese Deckplatte war der heiligste Teil des Heiligtums. Sie ist im A.T. 27 x erwähnt (3x3x3). Die Platte samt den beiden Cherubgestalten war aus einem Stück Feingold, dem kostbarsten Material das es damals gab, in getriebener Arbeit hergestellt. Das war sehr anspruchsvolle Kunstarbeit und brauchte göttliche Begabung und Weisheit.
Die Lade samt der Deckplatte, war im Allerheiligsten, hinter dem zweiten Vorhang, aufgestellt.
Hebr.9.3-5: Hinter dem zweiten Vorhang aber ein Zelt, das das Allerheiligste genannt wird,
das einen goldenen Räucheraltar und die überall mit Gold überdeckte Lade des Bundes hatte, in welcher der goldene Krug, der das Manna enthielt, und der Stab Aarons, der gesprosst hatte, und die Tafeln des Bundes waren; oben über ihr aber die Cherubim der Herrlichkeit, die den Versöhnungsdeckel überschatteten.
Siebenmal bezeugt das Wort Gottes, dass der Herr zwischen den Cherubim throne (Ps.80.1 / 99.1). Von dieser Deckplatte herab, zwischen den beiden Cherubim, redete Gott zu Mose.
2. Mo.25.22: Und dort werde ich dir begegnen und von der Deckplatte herab, zwischen den beiden Cherubim hervor, die auf der Lade des Zeugnisses sind, alles zu dir reden, was ich dir für die Söhne Israel auftragen werde.
4.Mo.7.8+9: Und wenn Mose in das Zelt der Begegnung hineinging, um mit ihm zu reden, dann hörte er die Stimme zu ihm reden von der Deckplatte herab, die auf der Lade des Zeugnisses war, zwischen den beiden Cherubim hervor; und er redete zu ihm.
Mose hatte einen besonderen Zugang zu Gott und durfte jederzeit und ohne Opferblut in das Allerheiligste der Stiftshütte und dort mit Gott reden. Sonst aber durfte nur der Hohepriester einmal im Jahr, am grossen Versöhnungstag (Jom Kippur), in das Allerheiligste hineingehen. Er hatte eine Räucherpfanne, denn er musste in eine Wolke von Räucherwerk gehüllt sein (3.Mo.16.13).
Dann sprengte er das Opferblut auf die Deckplatte und bewirkte so Versöhnung für die Sünden der Israeliten, die draussen warteten (3.Mo.16.14-16).
Hebr.9.6+7: Da aber dies so eingerichtet ist, gehen zwar in das vordere Zelt die Priester allezeit hinein und verrichten die Dienste, in das zweite aber einmal im Jahr allein der Hohepriester, nicht ohne Blut, das er darbringt für sich selbst und für die Verirrungen des Volkes.
Bedeutung dieser Deckplatte im Neuen Bund
Der oben beschriebene Sühnedeckel wird im neuen Bund mehrfach erwähnt. Er hat auch für uns eine segensreiche, prophetische Bedeutung.
In Römer 3 lesen wir, von Jesus Christus, dass Gott ihn für uns als einen Sühneort (Gnadenstuhl) aufgestellt hat.
Rö.3.25: Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden.
So wie es für die Israeliten nur einen Ort gab, von dem aus Versöhnung geschehen konnte, und zwar brauchte es damals das Blut von Sühneopfern, so gibt es für uns auch nur eine Möglichkeit, Sühne und Versöhnung mit Gott zu erlangen. Für uns ist es Jesus, der mit seinem eigenen Blut in das himmlische Heiligtum eingegangen ist und eine ewiggültige Erlösung erworben hat.
Hebr.9.11: Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch das größere und vollkommenere Zelt – das nicht mit Händen gemacht, das heißt, nicht von dieser Schöpfung ist – und nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewige Erlösung erworben.
Hebr.4.14-16: Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten! Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!
In dieser Schriftstelle wird das gleiche Wort gebraucht wie in Rö.3.25. Es bezeichnet den Gnadenthron, der schon in der Stiftshütte als Vorbild auf Jesus Christus aufgestellt war und von dem aus die Israeliten einmal im Jahr Versöhnung empfangen haben.
Wir aber sind aufgerufen, mit Freimütigkeit hinzuzutreten, gerade dann, wenn wir Hilfe brauchen. Was für ein grosses Vorrecht haben wir doch seit Golgatha! Als Jesus starb, zerriss der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste abtrennte, zum Schrecken der Priester mitten entzwei (Luk.23.45). Das bedeutet, dass von nun an der Zugang zu Vergebung und Versöhnung für alle und jederzeit offen ist.
So wie Mose allezeit zum Gnadenstuhl und damit in die Gegenwart Gottes treten durfte, so ist dies jetzt auch für uns möglich. Der Hebräerbrief ruft uns auf, davon Gebrauch zu machen, damit wir rechtzeitige Hilfe erfahren.
Das Räucherwerk, mit dem der Hohepriester in das Allerheiligste hineinging, ist für mich ein Bild für Anbetung. Wenn wir geistliche Lieder singen, oder mit unseren Lippen und in unseren Herzen Gott preisen und Jesus verherrlichen, so schafft das eine Atmosphäre der Gegenwart und Herrlichkeit Gottes.
