Erbauung
Daniel Schenk
Die Bibel redet oft in Bildern. So werden gläubige Menschen, aber auch die Gemeinde in ihrer Gesamtheit als Haus, Gebäude oder als Tempel bezeichnet.
1.Kor.3.9: „Gottes Ackerfeld seid ihr, ja das Gebäude Gottes.“
1.Kor.3.16: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?“
Eph.2.20–22: „Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage (Lehre) der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist. In Ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in Ihm werdet auch ihr mitaufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.“
Hebr.3.6: „Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir.“
1.Petr.2.5: „Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus.“
Ein Gebäude steht nicht einfach plötzlich fertig da, sondern es wird „erbaut“. So müssen auch die Gläubigen und die Gemeinde als Gesamtheit „erbaut“ werden. Die einzelnen „Bausteine“ werden nicht erst in das Gebäude eingefügt, wenn sie vollendet sind. Sie werden bei der Annahme ihrer Berufung und Erwählung eingefügt und wachsen darin bis zur vollen, geistlichen Reife (Eph.2.21/4.16). In diesem Artikel möchten wir die Voraussetzungen betrachten, die Gott geschaffen hat, damit die Gemeinde „erbaut“ werden kann.
Das Fundament oder der Grund, auf dem das Gebäude steht, ist „Jesus Christus“.
Jedes Gebäude, das kein gutes Fundament hat, ist in Gefahr, einzustürzen, das sagt Jesus auch im Gleichnis in Matth.7.24-27. Wir wollen das Fundament nicht vernachlässigen, wenn wir geistlich bauen.
1.Kor.3.10+11: „Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf; jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen, ausser dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
Paulus wollte nichts anderes wissen und hat nichts anderes verkündigt, als Jesus Christus, den Gekreuzigten. Dadurch hat er für die Gemeinde den Grund gelegt oder anders gesagt, das Fundament erstellt. Wer auf einen anderen Grund zu bauen versucht, auf Gesetzeswerke oder auf Menschenweisheit, baut nicht den Tempel Gottes, sondern sein eigenes Gebäude und das wird keinen Bestand haben. Erst wenn der Mensch durch Umkehr (Busse), Glauben, Wiedergeburt und Taufe in Christi Tod zu Ihm, dem lebendigen Stein hinzugetreten ist, kann er wirklich erbaut werden zu einer Wohnstätte Gottes im Geist. Die Taufe im Heiligen Geist ist dabei die Voraussetzung, dass Erbauung wirklich geschehen kann.
1.Petr.2.4+5: „Wenn ihr zu Ihm, dem lebendigen Stein herantretet, der von den Menschen zwar als unbrauchbar verworfen, bei Gott aber als ein auserwähltes Kleinod gilt, so werdet auch ihr selber als lebendige Bausteine zu einem geistlichen Hause, zu einer heiligen Priesterschaft aufgebaut, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott durch Jesus Christus wohlgefällig sind.“
Wenn Menschen zum Glauben kommen, sind sie vorerst unmündige Kinder in Christus. Nach Eph.4.13-15 soll das aber nicht so bleiben, sondern sie sollen zur vollen Reife heranwachsen. Dazu bedarf es der „Erbauung“.
Was verstehen wir unter Erbauung?
Geistliche Erbauung ist mehr als nur eine seelische Berührung, wie das z.B. beim Hören von schönen Liedern geschehen kann. Erbauung bedeutet Wachstum und Fortschritt im geistlichen Leben.
Worin sollen wir wachsen und zunehmen?
- im Glauben
2.Thess.1.3: „Weil euer Glaube reichlich wächst.“
(auch Apg.16.5; Rö.4.20; 1.Thess.3.2)
- in der Erkenntnis
Kol.1.10: „In allem guten Werk Frucht bringen, in der Erkenntnis Gottes wachsen.“ (auch Eph.1.17; Eph.,4.13; 2.Petr.3.18)
- in der Gnade
2.Petr.3.18: „Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.“ (auch Luk.2.52; Kol.1.6)
- in der Liebe
2.Thess.1,3: „Weil … die Liebe jedes einzelnen von euch allen gegeneinander zunimmt.“ (auch 1.Kor.14.1; Phil.1.9)
- im Feingefühl (Empfindungsvermögen)
Phil.1.9: „Dass eure Liebe je länger desto mehr zunehme an Erkenntnis und allem Feingefühl.“
- in den Geistesgaben
1.Kor.14.12: „So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben eifert, so strebt danach, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Gemeinde.“
- in den Früchten der Gerechtigkeit
2.Kor.9.10: „Eure Saat darreichen und mehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.“ (auch Phil.1.11)
- in allen Stücken
Eph.4.15: „In Liebe in allen Stücken in Ihn hineinwachsen, der das Haupt ist, Christus.“
In Bezug auf die Gaben und den Dienst ist es wichtig, dass wir unsere Zuteilung erkennen. Wir können nicht in einem Gebiet „wachsen“, für das wir gar keine Zuteilung und Berufung haben. Wenn z.B. jemand als Hirte und Lehrer berufen ist, soll er danach streben, diesen Dienst völlig auszurichten und darin zur Reife zu gelangen. Er kann nicht zu einem Propheten heranwachsen, auch wenn ihm dieser Dienst noch so imponiert, es sei denn, der Herr gebe ihm diese Zuteilung. Diese Tatsache erhält uns demütig und dadurch sind wir auch aufeinander angewiesen. Für die Gemeinde sind wir der grösste Segen, wenn wir uns innerhalb unserer Berufung und Zuteilung treu bewegen.
Eph.4.16: „Denn von Ihm aus wird der ganze Leib fest zusammengefügt und zusammengehalten und vollzieht durch jedes Glied, das seinen Dienst nach der Wirksamkeit verrichtet, die dem Mass jedes einzelnen Teiles entspricht, das Wachstum des Leibes zu seinem eigenen Aufbau in Liebe.“
Die Dienste und Gaben
Gottes Werkzeuge und Mittel zur Erbauung des Leibes Christi sind einerseits die fünf Dienste und andererseits die Geistesgaben. Die Dienste sind aufgezählt in Eph.4.11, es sind dies Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Wir finden diese Aufzählung auch in 1.Kor.12.28. Wohl sind dort lediglich Apostel, Propheten und Lehrer erwähnt, wir finden aber anschliessend die besonderen Gaben des Evangelisten (Wunderkräfte, Heilungsgaben) und die des Hirten (Hilfeleistungen, Leitung) aufgezählt, so dass wir die fünf Dienste auch dort vollzählig erkennen können. Der Herr benützt diese fünf Dienste zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi (Eph.4.12). Dabei geht es nicht um äussere Dienste wie Saalputzen etc., obwohl diese Arbeiten auch wichtig sind und die Gläubigen sich auch darin bewähren sollen. Es geht dabei auch nicht um die natürlichen Begabungen wie Musik und Gesang, die im Gemeindeleben auch ein grosser Segen sind, wenn sie geistlich angewendet werden. Es geht um die übernatürlichen Geistesgaben, die wir bei der Geistestaufe erhalten und die wir dann auch entfachen sollen.
Die Erbauungsgaben
Bei der Belehrung über die Geistesgaben werden einige als Gaben, die „zur Erbauung dienen“, bezeichnet. Wir wollen diese im Folgenden kurz betrachten:
Prophetisches Reden (Weissagung):
Prophetisches reden ist nicht nur den Propheten geschenkt. Paulus wünschte, dass alle weissagen (1.Kor.14.5; 24+31), damit alle lernen und alle ermahnt werden. Dieses „Prophetische Reden“ bezieht sich im Allgemeinen auf den Bereich der Lehre und des Zuspruchs (Rö.12.6; 1.Kor.14.3). Zukunftsvoraussagen sind eher Sache der Propheten. In Luk.1.6779 lesen wir die prophetischen Worte des Zacharias. Wir sehen, dass er dort eigentlich nur Schriftworte zitierte, aber er tat es unter der Leitung des Geistes, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.
1.Kor.14.3: „Wer aber weissagt, redet zu den Menschen, (zur) Erbauung und Ermahnung und Tröstung.“
Zungenrede:
Zungenreden dient der Selbstauferbauung und sollte deshalb viel praktiziert werden.
1.Kor.14.4: „Wer in Zungen redet, erbaut sich selbst, wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde.“
Jud.20: „Ihr aber, Geliebte, erbauet euch selbst auf euren allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist.“
Zungenrede mit Auslegung:
Diese unterscheidet sich von der gewöhnlichen Anbetungs-Zungenrede. Von dieser Art Zungenreden schreibt Paulus auch in 1.Kor.12.30. Zungenrede mit Auslegung hat die gleiche Wirkung in der Gemeinde wie Weissagung.
1.Kor.14.12+13: „Also auch ihr, da ihr eifrig nach Geistesgaben trachtet, suchet, zur Erbauung der Gemeinde daran Überfluss zu haben! Darum: wer in Zungen redet, der bete, dass er es auch auslegen kann.“
Gebet:
1.Kor.14.17: „Du für deine Person magst wohl ein treffliches Dankgebet (in Zungen) sprechen, aber der andere wird dadurch nicht erbaut.“
Wir können aus dieser Schriftstelle ableiten, dass durch die Gebete in verständlicher Sprache die Zuhörer erbaut werden. Es ist deshalb wichtig, dass wir mitbeten. Was Paulus hier meint ist, dass durch das Gebet in Zungen die Zuhörer nicht erbaut werden, weil sie ja das Gesagte nicht verstehen. Wir müssen uns darin leiten lassen, wo das Gebet in Zungen angebracht ist und wo wir in verständlicher Sprache beten sollen.
Lobgesang (Zungengesang):
1.Kor.14.26: „Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm (geistl. Lobgesang), eine Lehre, eine Offenbarung, eine Zungenrede, eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung!“
Die Schrift zählt auch die Zungengesänge zu den Gaben, die zur Erbauung dienen und Paulus ermutigt dazu, diese zu betätigen. Wir denken besonders an die prophetischen Zungengesänge in verständlicher Sprache. Oft wird durch die Lobgesänge eine Salbung ausgelöst, die dann Offenbarungen und Weissagungen oder auch Heilungen bewirkt.
1.Kor.14.15: „Wie soll es nun sein? Ich will im Geiste beten, ich will aber auch mit dem Verstande beten; ich will im Geiste lobsingen, ich will aber auch mit dem Verstande lobsingen.“
Eph.5.18+19: „Werdet voll Geistes, und redet miteinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern und singet und spielet dem Herrn in euren Herzen.“
Kol.3.16: „Das Wort Christi wohne reichlich unter euch; lehret und ermahnet euch selbst mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern; singet Gott lieblich in euren Herzen.“
Lehre:
Diese Gabe, die hauptsächlich durch die Lehrer betätigt wird, trägt ganz wesentlich zur Erbauung des Leibes Christi bei (Apg.20.32). Durch sie wird Erkenntnis vermittelt. Sie soll deshalb viel Raum haben in unseren Zusammenkünften. Es wäre aber falsch, nur Lehre zu haben und die anderen Erbauungsgaben zu vernachlässigen. Die Gaben sollen einander ergänzen, sonst entsteht Einseitigkeit. Der Lehrer bekommt oft gerade durch Weissagung oder Auslegung eine Bestätigung, Ergänzung oder auch Leitung für seinen Dienst.
Offenbarung (Enthüllung):
Der Heilige Geist gibt durch diese Gabe Licht über eine Situation oder über eine biblische Wahrheit. Dies kann durch eine Vision geschehen, aber auch durch eine plötzliche Erleuchtung. Die Angelegenheit steht dann sonnenklar vor dem inneren Auge dessen, der die Offenbarung empfängt. Paulus wurde die Offenbarung über das Geheimnis Christi zuteil, das vorher im Herzen Gottes verborgen war (Eph.3.3-5). Auch zog er einer „Offenbarung zufolge“ nach Jerusalem hinauf zum sog. „Apostelkonzil“ (Gal.2.2).
Wichtig! Die Gemeinde soll alle Offenbarungen, Weissagungen, Auslegungen und auch die Lehre prüfen, ob sie dem Wort Gottes entsprechen.
Frieden und Liebe sind Voraussetzungen, dass Erbauung geschehen kann. Deshalb unternimmt Satan so viele Versuche, den Frieden zu stören, sowohl in unserem persönlichen Leben, wie in der Familie als auch in der Gemeinde. Darum auch die Ermahnungen der Apostel: „Haltet Frieden untereinander“. Von der Gemeinde in Jerusalem lesen wir: „Sie hatte Frieden, baute sich innerlich auf, wandelte in der Furcht des Herrn und wuchs auch äusserlich“ (Apg.9.31).
Wir sehen, die Reihenfolge beginnt mit „Frieden“.
Rö.14.19: „So lasst uns nun dem nachstreben, was des Friedens ist, und dem, was zur gegenseitigen Erbauung dient.“
2. Kor. 13. 11: „Im Übrigen, Brüder, freuet euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch ermuntern, seid eines Sinnes, haltet Frieden, und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein.“
1.Thess.5.13: „Haltet Frieden untereinander!“
1.Kor.8.1: „Die Liebe aber erbaut.“
Eph.4.16: „Und wirkt das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.“
Ziel der Erbauung ist Vollendung und Verwandlung in Christi Bild
Eph.4.13: „Für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmass des Wuchses der Fülle Christi.“
Ich möchte diesen Beitrag abschliessen mit einem Wort, das der Apostel Paulus an die Thessalonicher geschrieben hat und das auch für uns ein Ansporn sein soll:
1.Thess.5.11: „Erbaut einer den anderen, wie ihr auch tut.“