Bibel-Themen

eine Sammlung von Beiträgen zu biblischen Themen

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Der Fünffache Dienst

Daniel Schenk 

Seit Jahren befassen wir uns an den „Leiterschaftstreffen freier charismatischer Gemeinden“ immer wieder mit diesem Thema aus Eph.4.1-16. Diese Verse stehen auch in unseren „Zielformulierungen“, Sie sind die Leitlinien für unsere Tätigkeiten. Zu diesem Thema, „der fünffache Dienst“, gibt es auch eine Ausgabe der Zeitschrift „Inspiration“. Es ist die Nummer 2/98.

 

Was verstehen wir unter „Fünffacher Dienst“?

Nachdem der Herr hinaufgestiegen war über alle Himmel, um das All zu erfüllen, hat Er der Gemeinde die fünf Dienste gegeben, so schreibt es der Apostel Paulus in

Eph.4.10+11: „Der hinabgestiegen, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte. Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.“

Diese fünf Dienste sind eine Gabe Gottes an die Menschen, insbesondere an die Gemeinde.

Eph.4.8: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er Gefangene (die Gefangenschaft) gefangen geführt und den Menschen Gaben (doma) gegeben“.

  Das griechische Wort, das mit „Gabe“ übersetzt wird, heisst „doma“ und bedeutet Gabe im Sinne von Geschenk. Es handelt sich an dieser Stelle nicht um Geistesgaben, sonst würde im Urtext, wie in 1.Kor.12 und 14 das griechische Wort „pneumatikos“ gebraucht. Die fünf Dienste haben in den ersten Gemeinden funktioniert und durch ihre segensreiche Wechselwirkung wurden die Gemeinden erbaut. Später ist man von diesen, vom Herrn gegebenen Ordnungen abgewichen. Man fand es einfacher und bequemer, anstelle des allgemeinen Priestertums einfach in jeder Gemeinde einen Beamten einzusetzen, einen Priester oder Prediger, der den Gemeindedienst übernehmen sollte. Die Gemeindeglieder hatten dann nur noch die Predigt anzuhören und die Kosten für die kirchliche Institution zu tragen. Dadurch hat man die Dienste und Gaben einfach an einen Beamten abgegeben und die geistlichen Aufgaben der Gemeindeglieder an diesen delegiert. So sind die grossen Kirchen entstanden und haben über viele Jahrhunderte bis heute nach diesem System funktioniert. Die Zeit der Apostel sei vorbei und Propheten gebe es auch nicht mehr, oder höchstens falsche, ungefähr so dachten die Menschen und so denken leider heute noch viele Gläubige oder werden sogar so gelehrt.

  Als im Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Ausgiessung des Heiligen Geistes neu erlebt wurde, traten, wie bei der ersten Gemeinde, auch die Geistesgaben wieder in Erscheinung. Gott hat dann auch, insbesondere in den letzten Jahren, die Erkenntnis über den Fünffachen Dienst in neuer Weise geschenkt. Wir sind sehr dankbar, dass Gott diese wunderbaren Geschenke an die Gemeinde nicht zurückgezogen hat, sondern dass sie wieder neu da sind und Frucht bringen.

 

Was ist die Aufgabe dieses „Fünffachen Dienstes“?

Die Aufgabe der Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer ist in Eph.4.12 ganz klar umschrieben, nämlich:

„Zur Ausrüstung (Anpassung, Zurüstung griech. „katartismos“) der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmass des Wuchses der Fülle Christi.“

  Diese Bibelstelle ist eine Schlüsselstelle im Neuen Testament. Sie zu verstehen und zu praktizieren ist für die Erbauung und Vollendung des Leibes Christi unerlässlich. So landläufig herrscht unter den Gläubigen oft die Meinung, dass diese fünf Dienste, wenn man sie überhaupt erkennt und akzeptiert, dazu da sind, den Gemeindedienst allein zu verrichten. Die Heiligen sind dabei einfach Konsumenten, die sich nur bedienen lassen, dabei aber mehr oder weniger unmündig bleiben. Die oben erwähnte Schriftstelle redet aber klar darüber, dass diese fünf Dienste dazu gegeben sind, die Heiligen, das heisst alle wiedergeborenen Glieder des Leibes Christi, zuzurüsten, tüchtig zu machen, zuzubereiten für die Ausübung des Dienstes. Die einzelnen Glieder sollen durch sie fähig gemacht werden, ihren Beitrag zur Erbauung und Vollendung der Gemeinde entsprechend ihrer Gabe und Zuteilung zu leisten. Jeder der fünf erwähnten Dienste trägt seinen Teil an dieser Entwicklung bei. 

  • Der Evangelist ruft die Menschen aus der Welt zu Jesus und bestärkt die Gläubigen in dieser Tätigkeit. Sein Dienst wird oft bestätigt durch die Gaben der Heilungen und Machttaten (Befreiungsdienst).
  • Der Lehrer führt die Gläubigen in die Erkenntnis Gottes und Christi hinein, er vermittelt das Verständnis für die biblischen Zusammenhänge.
  • Der Hirte betreut die Gemeinde und macht Seelsorge. Er kümmert sich um das Wohlergehen der „Schafe“, ermahnt sie und vermittelt ihnen Geborgenheit.
  • Der Prophet ermutigt, ermahnt und macht die Gemeinde auf Gefahren aufmerksam. Er ist besonders für den Hirten eine starke Stütze.
  • Der Apostel (Sendbote) hat einen übergemeindlichen Dienst und bringt Offenbarung Gottes oder gibt Unterstützung beim Bau der einzelnen Gemeinden. Er unterstützt besonders die Hirten und Lehrer und sorgt sich auch um die Einheit zwischen den Gemeinden und um Klarheit in Lehrfragen.

  Man kann die Dienste natürlich nicht immer so genau abgrenzen. Paulus war Lehrer, Prophet und Apostel, er wurde aber auch als Evangelist gebraucht und hatte ein „Hirtenherz“, das sehen wir besonders klar in Apg.20.31. Jeder Diener hat aber einen Schwerpunkt in seinem Dienst, das ist der Bereich, in dem der Herr ihn am meisten braucht und bestätigt. Eine Berufung für einen Dienst zu haben bedeutet nicht, von einem Tag auf den anderen darin vollkommen zu sein, vielmehr gibt es ein „Hineinwachsen“. Paulus war berufener Apostel Jesu Christi, trotzdem hat er sich zuerst als Prophet und Lehrer bewährt, bevor er als Apostel ausgesandt und so in seiner Berufung bestätigt wurde.

  Oft kommt es vor, dass sich eine Gruppe Gläubiger um einen geistbegabten Bruder sammelt und dann nur von diesem betreut und belehrt werden will. So entstehen dann Gemeinden mit Ein-Mann-Leiterschaft und -Dienst. Ansätze einer solchen Entwicklung sehen wir schon zur Zeit des Apostel Paulus in 1.Kor.3.4. Der eine sagte: Ich bin des Paulus, der andere: Ich des Apollos, und gemäss Vers 22 bekannten sich weitere zu Kephas (Petrus). Der Apostel Paulus ist dieser Entwicklung klar entgegengetreten und nannte dieses Verhalten menschlich und fleischlich. Wie gut auch ein einzelner Diener sein mag, durch Alleingang wird immer ein Mangel oder eine Einseitigkeit entstehen und die Gefahr von Sektierertum ist gross. Dieses System entspricht einfach nicht dem Plan und Willen des Herrn und kann darum nicht bestätigt werden. Paulus bekennt sich ganz klar zu seiner Ergänzungsbedürftigkeit, wenn er in 1.Kor.3.6 schreibt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben.“ Was nützt der Pflanzende oder der Begiessende allein, Gott bestätigt die Zusammenarbeit und schenkt das Wachstum.

1.Kor.3.21-23: „So rühme sich denn niemand im Blick auf Menschen, denn alles ist euer. Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas …. alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“

 

Empfangen / Ergänzung

Jede Gemeinde braucht einen Hirten und Älteste, Sie braucht aber auch Kontakte zu einem oder mehreren Brüdern mit apostolischem Dienst. Dienste, die in der eigenen Gemeinde nicht oder zu wenig vorhanden sind, sollten zur Ergänzung eingeladen werden. Insbesondere Lehrer, Propheten und Evangelisten. Dabei muss aber sorgfältig geprüft werden, wen man einlädt. Es soll eine Ergänzung sein und darf nicht schädliche Einflüsse in die Gemeinde bringen.

 

Aussenden

Es gibt Gemeinden, in denen eine Fülle an Diensten vorhanden ist. Diese können von ihrem Überfluss andere Gemeinden ergänzen, unterstützen oder sogar neue pflanzen. Ein solches Beispiel ist die Gemeinde in Antiochia. Wir lesen in Apg.13, dass dort insgesamt fünf Propheten und Lehrer wirkten. Eines Tages sprach der Heilige Geist, dass Barnabas und Paulus ausgesandt werden sollten. Diese Brüder waren in der Gemeinde zubereitet worden und der Herr wollte sie nun an anderen Orten einsetzen. Ob eine Gemeinde Diener aussenden kann, hängt nicht nur von ihrer Grösse ab, sondern davon, ob in ihrer Mitte gereifte Diener vorhanden sind und auch davon, ob die Gemeinde bereit ist, diese für ihren Dienst freizugeben. Dies kann für einzelne Dienste (Versammlungen) sein oder aber auch für längere Einsätze. Das Aussenden erscheint uns auf den ersten Blick immer als ein Verlust. Am liebsten hätte man ja in jeder Versammlung alle Brüder und Schwestern in der eigenen Gemeinde dabei. Wir wollen es aber als einen Segen betrachten, wenn wir Diener aussenden und unterstützen dürfen. Der Herr wird diese Haltung segnen.

 

Wer ist der Grösste?

In Lukas 9.44 lesen wir die zweite Leidensankündigung von Jesus an Seine Jünger. Vers 45 sagt, dass sie es nicht verstanden und nicht begriffen. Trotzdem müssen sie irgendwie gemerkt haben, dass der Herr Jesus Seinen Weggang andeutete. Die naheliegendste Frage war nun: Wer wird Seine Stelle einnehmen? Jedenfalls steht in Vers 46,  dass sie Überlegungen darüber anstellten, wer unter ihnen der Grösste sei. Jesus musste ihnen eine Lektion mit einem Kind erteilen indem Er sagte: „Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist gross“. Der Herr hat keinen „Chefapostel“ bestimmt, es gab aber Apostel mit verschiedenen Aufgaben und es gab Leiterschaft sowohl in Jerusalem als auch in den übrigen Gemeinden. In der Gemeinde in Jerusalem wurden Jakobus, Kephas (Petrus) und Johannes als Säulen angesehen (Gal.2.9), und auch Paulus wandte sich an diese, wenn es darum ging, Lehrfragen zu klären.

 

Selbstauferbauung des Leibes

Eph.4.16: „Denn von ihm (Christus) aus wird der ganze Leib fest zusammengefügt und zusammengehalten und vollzieht durch jedes Glied, das seinen Dienst nach der Wirksamkeit verrichtet, die dem Mass jedes einzelnen Teiles entspricht, das Wachstum des Leibes zu seinem eigenen Aufbau in Liebe.“ (Menge)

  Diese Schriftstelle ist nicht einfach zu verstehen. Ich denke, man muss sie mehrmals und betend lesen bis man eine Offenbarung darüber bekommt. Sie redet darüber, wie durch den Dienst aller Glieder, die durch den fünffachen Dienst zubereitet werden, das Wachstum und die Selbstauferbauung der Gemeinde geschieht. Wir wollen einige der markanten Aussagen dieser Schriftstelle etwas näher betrachten:

  1. Aussage: Aus Ihm oder durch Ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und verbunden (zusammengehalten). Christus als das Haupt selbst bewirkt den Zusammenhalt des ganzen Leibes. Es ist ein geistlicher Vorgang, der nicht durch Organisationen oder Denominationen ersetzt werden kann. 1. Kor.12.13 sagt, dass wir alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden sind.
  2. Aussage: Durch jedes Glied. Dass der Herr ausnahmslos alle Glieder in den Dienst der Erbauung einbeziehen will und dazu allen eine Ausrüstung gegeben hat, finden wir auch in  Eph.4.7 sowie in 1.Kor.12.7 und 11 bestätigt.
  3. Aussage: Entsprechend dem Mass jedes einzelnen Teiles (Gliedes). Diese Aussage nimmt jeden Leistungsdruck von uns weg. Wir brauchen uns nicht an anderen Gliedern zu orientieren, Er verwendet uns entsprechend unserem Mass. Das bedeutet,  entsprechend unseren Geistesgaben, aber auch entsprechend unseren äusseren Umständen. Diese gehören auch zu unserem Mass. Ich denke, dass wir nicht unsere Familie vernachlässigen müssen, um den Herrn mit unserem Dienst zufrieden zu stellen. Oder vielleicht wollen wir ja Menschen gefallen und zufrieden stellen, auch das kann ein unnötiger Zwang sein. Wir wollen alle Furcht, nicht zu genügen, ablegen und in dem  uns zugeteilten Mass treu sein, dann kann der Herr unser Mass auch noch erweitern. Wenn wir über unser Mass hinaus dienen wollen, reiben wir uns dabei auf, ohne dass entsprechende Frucht entsteht. Andererseits wollen wir aber darauf bedacht sein, das uns zugeteilte Mass zu erkennen und auszufüllen.
  4. Aussage: So geschieht das Wachstum zur Selbstauferbauung. Jede Betätigung einer Geistesgabe, jeder Zuspruch, jedes Zeugnis, überhaupt jede geistgewirkte Tätigkeit hat eine auferbauende und das Wachstum fördernde Wirkung auf den Leib Christi.
  5. Aussage: In Liebe. Der Antrieb für jede Tätigkeit, die den Leib Christi zum Wachsen bringt, ist die Liebe und muss die Liebe sein. Jeder andere Beweggrund wird keinen Lohn einbringen.

  Wir wollen einander ermutigen, und uns selbst dazu ermutigen lassen, unseren Teil gemäss unserem Mass zur Erbauung des Leibes Christi beizutragen und unsere „Pfunde“ nicht zu vergraben.

 

Zusammenfassung

Jesus Christus ist hinaufgestiegen um das ganze All zu vervollständigen und hat den Menschen Gaben (Geschenke) in Form der fünf Dienste gegeben. Durch diese Dienste soll die als Leib Christi mit allen ihren Gaben funktionierende Gemeinde zubereitet werden. Diese Gemeinde wird einbezogen in alle Seine jetzigen und zukünftigen Aufgaben, deshalb hat sie auch Anteil an allen geistlichen Segnungen der Himmelswelt. Sie wird auf den Tag der Wiederkunft des Herrn hin zur Vollreife gebracht.

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