Bibel-Themen

eine Sammlung von Beiträgen zu biblischen Themen

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Erbe Gottes

Daniel Schenk

 

Das Wort „Erbe“ macht die Menschen im Allgemeinen hellhörig. Beim Erben fällt den Menschen Besitztum zu, für den sie keine Leistung erbringen müssen. Voraussetzung ist einzig die richtige verwandtschaftliche Beziehung, oder dass man durch ein Testament als Erbe eingesetzt worden ist. Erben hat oftmals auch einen bitteren Beigeschmack. Oft fühlen sich Menschen benachteiligt und sind dann bitter enttäuscht, was einen grossen Unsegen auf ihr Leben bringen kann.

  O dass die Menschen sich doch auch so sehr um das „Erbe“ kümmern würden, das es bei Gott zu erlangen gibt, wie sie sich um die irdischen, vergänglichen Erbteile kümmern. Petrus beschreibt dieses herrliche „Erbe“ treffend:

1.Petr.1.4: „Zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, die ihr in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werdet zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden.“

  Leider sind es wenige, die Wert darauf legen, ein „Erbe Gottes“ zu sein. Umso mehr wollen wir dankbar sein für eine solche Gnade, und wollen auch auf die Voraussetzungen achten, die in der Heiligen Schrift genannt sind.

 

„Bist du ein Sohn, so bist du auch ein Erbe“ Gal.4.7

  Das griechische Wort „Kleronomos“ (Erbe) bezeichnet einen Menschen, der ein Losteil innehat. Dieses Losteil hat sich z.B. beim Volk Israel innerhalb einer Familie oder Sippe vererbt, es durfte nicht veräussert werden. Darum wollte auch Nabot seinen Weinberg nicht hergeben, selbst dem König nicht (1.Kö.21). Er war sein unveräusserliches Losteil. So sind wir, wenn wir in der Schrift als „Erben Gottes“ angeredet werden, Inhaber eines Losteils, das wiederum ein Bestandteil des gesamten „Reiches Gottes“ ist. So wie das Losteil des einzelnen Israeliten ein Bestandteil des gesamten Erbes des Volkes Gottes darstellte, so ist auch unser Losteil ein Bestandteil des gesamten Reiches Gottes.

  Wie wir in Gal.4.7 lesen, ist die Voraussetzung zum Erben, ein Sohn Gottes zu sein. Das setzt natürlich in erster Linie die Wiedergeburt voraus. Dadurch werden wir in das Reich Gottes hineingeboren, ein Ungeborener kann kein Erbteil empfangen. Jesus Christus hat durch Seine Menschwerdung selbst die Voraussetzung geschaffen, dass aus einem sündigen und gottfernen Menschen ein Sohn Gottes werden kann. Zwischen Gott und den Menschen bestand seit dem Sündenfall eine unüberbrückbare Kluft. Der Mensch, der zur Gemeinschaft mit Gott berufen und geschaffen war, wurde durch die Sünde getrennt, darum versteckten sich Adam und Eva vor Ihm. Jesus, als der „letzte Adam“ (1.Kor.15.45) war als Sohn Gottes sowohl Gott als auch Mensch, denn Er wurde von einer Frau geboren und nahm Knechtsgestalt an. In dieser einmaligen Stellung hat Er zuerst durch völligen Gehorsam unser riesiges, durch Unvermögen und Unterlassung entstandenes „Minus“ ausgefüllt. „Denn die Vollendung des Gesetzes ist Christus, zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt“ (Rö.10.4). Danach hat Er die Schuld aller Menschen aller Zeiten auf Sich genommen. Diese unermesslich grosse Schuld hat Er am Kreuz gesühnt. Er ist nicht „nur“ gestorben, Er starb am Kreuz, dem Fluchholz. Dadurch wurde Er für uns zum Fluch und hat uns vom Fluch des Gesetzes erkauft.

  Gal.4.1 spricht aber noch von einem Umstand, der uns, trotz Wiedergeburt, daran hindern könnte, unser Erbteil zu empfangen. Es ist die „Unmündigkeit“.

Gal.4.1: „Ich sage aber: solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist.“

  Ein Unmündiger steht unter einem Vormund und Vermögensverwalter. Gott will aber, dass wir mündige Söhne sind.

Eph.4.14: „Denn wir sollen nicht länger unmündige Kinder sein, die von jedem Wind der Lehre durch das Trugspiel der Menschen, die mit Arglist auf Irreführung ausgehen, wie Meereswogen hin und hergeworfen und umhergetrieben werden.“

1.Kor.3.1: „Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen ich Christus.“

 

Merkmale und Mängel der Unmündigen und Zeichen der Unmündigkeit:

  • Bedürfen Milch 1.Kor.3.2; Hebr.5.13.
  • Können feste Speise nicht ertragen 1.Kor.3.2; Hebr.5.12.
  • Sind unerfahren im Wort der Gerechtigkeit Hebr.5.13.
  • Fleischlich gesinnt  1.Kor.3.1.
  • Eifersucht und Streit  1.Kor.3.3.
  • Menschenverherrlichung und Abhängigkeit 1.Kor.3.4.
  • Unter geistlichen Vormündern (gesetzlich) Gal.4.2.
  • Sklave der Elemente der Welt (z.B. Humanismus) Gal.4.3; Kol.2.8.
  • Umhergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre  Eph.4.14.

 

Wie kommen wir aus der Unmündigkeit heraus?

Ich nenne nachstehend zwei Punkte, die meines Erachtens notwendig sind:

1. Das fleischliche Wesen ablegen.

Es ist wichtig, dass wir die Dinge der Unmündigkeit abtun.

1.Kor.13.11: „Als ich noch unmündig war, sprach ich wie ein unmündiger; ich war gesonnen wie ein Unmündiger, und ich schätzte alles so ein wie ein Unmündiger. Als ich aber ein Mann wurde, habe ich die Dinge der Unmündigkeit abgetan.“

  Die oben erwähnten Zeichen der Unmündigkeit wie fleischliche Gesinnung, Eifersucht und Streit sowie Menschenverherrlichung und Abhängigkeit sind ganz bewusst abzulegen. Wenn wir das wirklich wollen, wird uns der Heilige Geist dabei behilflich sein. Es kann auch sein, dass ein seelsorgerliches Gespräch und Gebet dabei hilfreich oder erforderlich ist. Auf jeden Fall dürfen wir diese Dinge nicht verharmlosen oder weiterhin dulden, sie könnten uns um unser Erbteil bringen.

2. Feste Speise:

Wir dürfen der „festen Speise“ nicht ausweichen und immer nur die Milch suchen. Es gibt geistliche Dinge, die man nicht beim ersten Lesen oder Hören versteht.

2.Petr.3.15+16: „So wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat, wie auch in all den Briefen, wenn er in ihnen auf diese Dinge zu sprechen kommt, in welchen etliches schwer zu begreifen ist, was die Ungelehrten und Unbefestigten zu ihrem eigenen Untergang entstellen, wie auch die übrigen Schriften.“

  Es gilt deshalb, sich auch mit den „tieferen Wahrheiten“ auseinander zu setzen und sie betend immer wieder zu lesen und zu hören. Dadurch gewinnen wir Erfahrung und Gewöhnung.

Hebr.5.13+14: „Denn jeder, der an der Milch teilhat, ist unerprobt im Wort der Gerechtigkeit, weil er noch unmündig ist. Für Gereifte dagegen ist die feste Nahrung, die infolge ihrer Gewöhnung ein geübtes Empfindungsvermögen haben, um Treffliches wie auch Übles zu unterscheiden.“

  Paulus betete für die Epheser um geistliche Weisheit und geistliche Enthüllung (Eph.1.17). Das wollen auch wir tun, sowohl für uns selbst als auch für unsere Geschwister. Von den Leuten in Beröa lesen wir in Apg.17.11: „Diese waren edler gesinnt als die Juden in Thessalonich, sie nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit an und forschten Tag für Tag in den Schriften, ob dies sich so verhalte.“

 

Nicht mehr unter dem Gesetz

Jesus Christus wurde in den Tagen Seines Erdenlebens unter das Gesetz gestellt. Das Gesetz vom Sinai konnte nicht einfach aufgehoben, sondern musste erfüllt werden. Er hat es für uns erfüllt. Das griechische Wort „Telos“ in Rö.10.4 hat den Sinn von Vollendung, Erfüllung oder Ziel. Deshalb sind wir jetzt frei und Gott der Vater konnte uns in den Stand versetzen, zu dem Er uns auch berufen hatte, nämlich in den Sohnesstand. Gesetzlichkeit hindert uns daran, in diesem Sohnesstand zu leben und schliesst uns damit auch aus von der Mündigkeit und vom Erben.

Gal.3.12: „Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch.“

  Der gesetzliche Mensch hat es immer mit der Verurteilung zu tun, sowohl gegen sich selbst als auch gegen andere. Das Gegenteil von Verurteilung ist Gnade. Wir sollen die Gnade richtig erkennen (Kol.1.6).

  Der Sohnesstand ist ein Gnadenstand.

Gal.4.6: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!“

  Durch den Sohnesgeist haben wir das richtige Verhältnis und die richtige Beziehung zum Vater.

Gal.4.7: „So bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus.“

  Aus den aufgeführten Schriftstellen erkennen wir, dass das Gesetz uns ausschliesst vom Sohnesstand und somit vom Erbe. Jesus Christus ist nicht nur für unsere Sünden gestorben, Er hat uns auch erkauft aus der Knechtschaft des Gesetzes.

Gal.4.4+5: „Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die loskaufte, die unter Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen.“

 

Elemente der Welt

Dazu möchte ich nur die Anmerkungen der Menge und der Mülheimer Bibel zitieren:

Menge: Gemeint sind vielleicht Geisteswesen, Natur oder Engelmächte, Dämonen, die in der Welt, besonders durch Menschen sich (teils freundlich teils feindlich) betätigen, vor allem aber durch falsche Lehreingebungen dem reinen Evangelium und den tieferen Erlösungswahrheiten widerstehen (Gal.1.8; 2.Kor.11.34; 13–15). Andere verstehen darunter die dürftigen Anfängerlehren der (christlichen oder nichtchristlichen) Welt. Noch andere die Grundstoffe der sichtbaren Welt.

Mülheimer: Damit sind vermutlich jene elementaren Urkräfte gemeint, die immer da eine Rolle spielen, wo man dem Ewigen auf selbsterwählten Wegen nahe kommen will: Einfluss der Gestirne auf bestimmte Zeiten, Macht der Geister u.a.m. Wie viele erliegen dem auch heute noch in der Astrologie, dem Spiritismus usw.! (vergl.5.Mose 4.19 u.a.). Das sind verhängnisvolle Irrwege, auf denen man in furchtbare Abhängigkeiten geraten kann. Jene „Elemente“ gehören ja der von Gott abgefallenen Welt an (Eph.6.12). Man sucht „religio“, Rückbindung, Halt beim Feind! Halt finden wir gefallenen Menschen nur an einer einzigen Stelle: in Christus! Wer an Ihm vorbeigeht, ist auf Irrwege geraten.

  Soweit die Zitate aus den Menge und Mülheimer Bibeln.

 

Wind der Lehre

Es gibt immer wieder „Lehrströmungen“, die oft Nebensachen zur Hauptsache machen. Sie enthalten vielleicht sogar gute Elemente, aber sie halten uns ab vom Besseren und vom Besten. Oft sind solche Strömungen von kurzer Dauer und werden schon wieder von etwas anderem abgelöst. Paulus vergleicht diesen Zustand in Eph.4.14 mit Meereswogen, von denen die Unmündigen hin und hergetrieben werden und somit nie zu einer festen Gründung kommen. Wir sollen aber verwurzelt und gegründet werden in Ihn hinein (Eph.4.15).

 

Wie gelangen wir zur geistlichen Reife?

Wie wir bereits aus Eph.4.14 gesehen haben, sollen wir nicht im Stande eines Kindes bleiben, sondern sollen heranwachsen zur geistlichen Reife. 1. Joh.2.13 redet von Kindlein, von Jünglingen und von Vätern in Christus. Damit ein Kind wächst, braucht es Speise, und zwar die richtige Speise zur richtigen Zeit. Ein Kleinkind braucht noch Milch, es kann die feste Speise noch nicht vertragen. Es soll aber nicht nur bei der Milch bleiben, mehr und mehr muss die feste Speise dazukommen. Die geistliche Nahrung ist das Wort Gottes. Wir sollen danach begierig sein. Diese geistliche Nahrung, das Wort, wird uns auf verschiedene Weise dargereicht:

  • Durch lesen und gläubiges Annehmen des Wortes.
  • Durch die Predigt.
  • Durch die Gnadengaben, die dazu in die Gemeinde gegeben sind.
  • Durch das Reden des Heiligen Geistes in unseren Geist hinein, indem Er uns an das Wort erinnert oder es uns bezeugt.

Lasst uns die Zeit auskaufen, damit wir auf den Tag der Erscheinung unseres Herrn bereit sind und unser Erbe in Empfang nehmen können. Das Angeld dafür haben wir bereits im Heiligen Geist (Eph.1.13+14; Rö.8.23).

Kol.2.6+7: „Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt in Ihm, gewurzelt und auferbaut in Ihm und befestigt im Glauben, wir Ihr gelehrt worden seid, und darin überfliessend in Danksagung.“

  In der nächsten Ausgabe von „Gemeine Aktuell“ wollen wir uns noch mit der Frage befassen:

„Worin besteht unser Erbteil?“

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