Erfahrung im Angesicht des Sterbens
Daniel Schenk
Am 10. September 2009 habe ich an einer Reise mit meinen ehemaligen Kameraden von der Berufsschule teilgenommen. Einige sind schon verstorben und es wurde mir bewusst, dass es in den nächsten Jahren immer mehr sein werden, welche aus diesem Leben abscheiden. Es war mir ein Anliegen, ihnen das Zeugnis von meiner Erfahrung in Todesnähe sowie ein Traktat zu geben. Ich habe mich entschieden, dies mit einem Brief zu tun und das Traktat von Daniel Schenk jr., „Das Evangelium in 5 Punkten“ beizulegen. Nach dem Dank an die Organisatoren für den schönen Ausflug und einer humorvollen Einleitung über unser älter werden habe ich in dem Brief die folgenden Zeilen geschrieben:
Was mich beim Anschauen der neuen Adressliste nachdenklich gestimmt hat, sind die Kameraden, die schon verstorben sind. Einige davon sehr früh. Dabei wurde mir bewusst, dass mein Name auch dort stehen könnte. Ja, ich wäre einer der ersten gewesen. Ich möchte hier kurz weitergeben, wie es mir damals erging:
Als ich meinen 40. Geburtstag feierte, dachte ich, dass dies etwa die Mitte meines Lebens sei. Aber schon zwei Jahre später ging ich knapp am Tode vorbei. Ich war damals über einen längeren Zeitraum starkem Stress ausgesetzt.
Es war im Frühjahr 1980, wir fuhren an einem Samstag nach Frutigen in die Ferien. Den ganzen Tag über hatte ich eine starke Spannung im Körper und Schmerzen im Rücken. In der Nacht fing dann plötzlich mein Herz an auszusetzen und nur noch in Abständen mit starken Zuckungen zu schlagen. Meine Frau als Krankenschwester konnte den Ernst der Situation erkennen. Es ging aber alles so schnell, dass es nicht möglich gewesen wäre, Hilfe zu holen. Zudem hätte ich sie in diesem Moment nicht weggehen lassen. Mit schwacher Stimme verabschiedete ich mich von ihr, denn ich empfand, dass es jetzt zu Ende gehen kann. Ich konnte keinen Finger mehr rühren. Zuerst habe ich mich innerlich stark gegen den Tod gewehrt, dies schon im Hinblick auf meine Familie, denn alle vier Kinder gingen noch zur Schule. Doch plötzlich kam ein Punkt, wo ich den Eindruck hatte, jetzt geht es hinüber. In diesem Moment war jeder Gedanke an die irdische Welt und was mit ihr verbunden war wie weggewischt. Es kam eine unbeschreibliche und tiefe Ruhe über mich und ich war gespannt auf das, was ich jetzt antreffen werde. Diese andere Welt war plötzlich so real wie vorher die irdische.
Bei diesem Übergang erlebte ich etwas, was ich auch von anderen Menschen gehört habe, die todesnahe Erfahrungen gemacht haben. Mein bisheriges Leben ging wie ein Film rasend schnell an meinem inneren Auge vorbei. Alles war darin ganz klar aufgezeichnet. Auch alle meine Fehler und Sünden habe ich deutlich gesehen und zwar in einem göttlichen Licht. In diesem Augenblick war ich nur über eines froh und dankbar, nämlich, dass alle meine Sünden von Gott vergeben worden sind. Ich hatte schon früher meine Sünden vor Gott bekannt und ihn um Vergebung gebeten gemäss dem Bibelwort aus 1.Joh.1.9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“ In diesem Moment fühlte ich sehr deutlich, dass mir der Zugang zum Himmel nicht offen gewesen wäre, hätte ich nicht die Vergebung der Sünden durch den Glauben an Jesus Christus gehabt.
Nach einer kurzen Weile hörte ich in meinem Inneren deutlich die Worte eines mir bekannten Liedes: „Weil Jesus lebt, lebe ich auch morgen“. Obschon ich noch nicht fähig war, auch nur einen Finger zu bewegen, wusste ich aufgrund dieser inneren Stimme, dass ich doch nicht jetzt schon abscheiden muss, sondern dass ich weiterleben kann. Es war wie ein zurückkehren.
Nach einer Zeit der Erholung und auch ärztlichen Behandlung wurde ich wieder völlig gesund. Was mir aber nahe ging, war ein paar Tage später die Todesanzeige für einen gleichaltrigen Mann im Nachbardorf, der an Herzversagen gestorben war. Er war nicht davongekommen wie ich.
Diese Erfahrung hat mein weiteres Leben stark geprägt.
- Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es einen Moment gibt, wo plötzlich alles bedeutungslos wird, was vorher wichtig war und dass dann das Seelenheil die wichtigste Frage ist.
- Ich habe auch daraus gelernt, wie wichtig es ist, dass mein Verhältnis zu meinem Schöpfer allzeit in Ordnung ist damit ich nicht unvorbereitet abscheiden muss.
- Ich habe auch gelernt, dass man zu seiner Gesundheit Sorge tragen sollte.
- Vor allem aber hat mir diese Erfahrung die Furcht vor dem Tod genommen. Ich lebe gerne, aber wenn die Stunde für mich da ist, hinüberzugehen in die andere Welt, dann bin ich bereit zu gehen.
Soweit der Auszug aus meinem Brief. Ich möchte dieses Zeugnis auch an die Leser von „Gemeinde Aktuell“ weitergeben. Das Zeugnis habe ich bewusst nicht in der „Sprache Kanaans“ geschrieben, sondern für meine zum grössten Teil ungläubigen ehemaligen Kameraden.
Der Zweck, warum wir damals in unseren Ferien nach Frutigen gefahren sind, war der Unterweisungskurs in der darauf folgenden Woche. Mit Gottes Hilfe konnte ich daran teilnehmen. Nur an den Spaziergängen und Wanderungen konnte ich mich nicht beteiligen.
Die Erfahrung, die ich damals gemacht habe, möchte ich nicht missen, denn sie hat mein Leben bereichert. Möge mein Zeugnis auch für andere Menschen ein Segen und ein Wegweiser sein.