Geistesfrucht 8: Enthaltsamkeit
Daniel Schenk
Die Serie über „Frucht des Geistes“, die wir in den letzten Ausgaben gebracht haben, wäre nicht vollständig ohne den Beitrag über den letzten Punkt, über die „Enthaltsamkeit“. Zudem ist dieses Thema immer aktuell und betrifft jeden Gläubigen. Wir alle haben Fleisch und Blut und werden auch entsprechend versucht. Enthaltsamkeit bewahrt uns vor viel Herzeleid und Schaden.
Gal.5.22: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut (Geduld), Freundlichkeit (Milde), Güte, Treue (Glaube), Sanftmut, Enthaltsamkeit.“
Die Geistesfrucht als Ganzes können wir uns vorstellen wie eine Kommode mit neun Schubladen. Alle diese Schubladen stehen uns zur Verfügung und das Schöne ist, dass sie immer voll sind. Wenn wir Bedarf haben, können wir einfach vor diese treten und die entsprechende Schublade herausziehen. So leben wir allezeit in der Fülle Gottes oder tun alles aus dem Vermögen, das Gott darreicht (1.Petr.4.11). Wer aus der eigenen Kraft und gesetzlich lebt, tut sich sehr schwer und hat doch nicht den vollen Sieg. Somit ist er auch keine Verherrlichung für Gott. Wer im Geiste lebt, lebt aus dem Vermögen Gottes und bei dem erwächst Geistesfrucht zur Ehre Gottes. Wir haben in den letzten Ausgaben von „Gemeinde Aktuell“ bereits acht dieser Schubladen kennen gelernt und von deren Inhalt Gebrauch gemacht.
Der Inhalt der neunten Schublade, „Enthaltsamkeit“, „Selbstzucht“ oder „Keuschheit“ (je nach Übersetzung), ist die herrliche Krönung auf die acht anderen Eigenschaften der Geistesfrucht. Was würden uns diese nützen, wenn durch ein zügelloses und unenthaltsames Leben alles zerstört würde, was der Heilige Geist aufgebaut hat? Wo wären dann zum Beispiel Freude und Friede, wenn wir durch die Lust in Sünde gestürzt würden? Wie sehr hat David, der doch ein Gesalbter Gottes war, gelitten, als er von Sünden befleckt war. Als er es sich auf dem Dach seines Hauses gemütlich machte, sah er Bathseba beim Baden. Weil er der Augenlust Raum liess, war die Türe offen für weitere Sünden wie Fleischeslust, Ehebruch, ja zuletzt sogar Mord an einem ihm so treu ergebenen Mann wie Uria. Das Gesetz, das er sicher kannte und das er auch bestrebt war zu befolgen, war in diesen Augenblicken nicht stark genug, um ihn zu bewahren. Hätte Gott ihm nicht Gnade zur Busse geschenkt, wäre es „aus“ gewesen mit allen herrlichen Verheissungen in Bezug auf ihn und sein Königtum.
Nach einem Fehltritt Gnade zur Busse zu haben, ist ein grosses Vorrecht, das wir hoch schätzen wollen. Es ist aber nicht der vollkommene Wille Gottes, sondern ein Entgegenkommen, weil er uns nicht verderben will. Auf jeden Fall ist es keine Ehre für Gott und eine ganz bittere Erfahrung für den, der strauchelt. Welche Qualen David erlitt bis er zurechtgebracht war, sehen wir aus seinem Busspsalm (Psalm 51). Dass auch Gott über seinen Fall betrübt war, vergisst man oft.
Ein wie viel herrlicherer Weg ist es doch, wenn wir den Inhalt der Schublade „Enthaltsamkeit“ beanspruchen und dadurch bewahrt werden vor dem Fall. Auf diese Weise wird der Herr verherrlicht und erfreut, wir selber bleiben in der Freude und im Frieden und das geistliche Wachstum wird nicht gebremst. Auch die Gemeinde erleidet keinen Schaden, was doch bei „Fehltritten“ so oft der Fall ist.
Enthaltsamkeit oder Selbstzucht ist nicht ein Gesetz, sondern eine göttliche Wirkung, die wir in Anspruch nehmen können, wie z.B. Freude und Friede. Das Feuer der Leidenschaft ist weg. Man ist, wie Paulus in 1.Kor.7.37 schreibt, „Herr über seinen Willen“ (oder hat Vollmacht darüber).
Enthaltsamkeit fängt im Gedankenleben an.
Phil.4.8: „Alles was wahr ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was unanstössig ist, sei es irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes, darauf seid bedacht.“
Wir müssen das Prinzip beachten, wie es in Jak.1.14+15 steht: „Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“
Es ist deshalb wichtig, die „kleinen Füchse“ (Gedanken) zu fangen, bevor der Weinberg verderbt ist. Nach Tit.2.11-13 erzieht oder unterweist uns die Gnade: „damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf.“
Die Sünde „verleugnen“ heisst, sich konsequent davon distanzieren. Als Petrus Jesus verleugnet hat, sprach er: „Ich kenne den Menschen nicht.“ Wir verleugnen die Sünde, indem wir uns zu der in der Taufe erlebten Tatsache bekennen: „Ich bin mit Christus gekreuzigt und gestorben.“ (Rö.6).
Kol.3.5: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist.“
Dass die Geistesfrucht nichts mit Gesetzlichkeit zu tun hat, geht klar aus dem Zusammenhang hervor. In Gal.5.23, anschliessend an die Aufzählung der Geistesfrucht, steht:
„Gegen solche (Geistesfrucht) gibt es kein Gesetz.“
In Vers 24 steht dann gleich das Rezept, wie man Enthaltsamkeit verwirklicht:
„Die aber Christus Jesus angehören, kreuzigen das Fleisch, samt den Leidenschaften und Begierden.“
Wie kann ich mein Fleisch kreuzigen?
Ich kreuzige mein Fleisch, indem ich zu der Leidenschaft und Begierde sage:
„Ich bin euch nichts schuldig, ich bin mit Christus gekreuzigt. Jesus lebt in mir und Er ist mein Herr.“
Wenn wir das tun, wird ein geheimnisvolles, göttliches Gesetz wirksam. Die Leidenschaft und die Begierde verlieren sofort ihre Kraft und wir sind wunderbar frei und froh.
Es gibt auch Situationen, in denen aktive Enthaltsamkeit geboten ist. Beispiel: Joseph floh, als ihn Potiphar’s Frau zur Sünde verführen wollte (1.Mose 39.12).
Enthaltsamkeit kann auch um der Bruderliebe willen geübt werden. Paulus war bereit, lieber sein Leben lang kein Fleisch zu essen und keinen Wein zu trinken, als einem schwachen Bruder Anstoss zu bereiten. Obschon er selbst die Freiheit hatte, Fleisch zu essen und Wein zu trinken. Ein Geistesmensch wird nicht den „Starken“ spielen und Wein trinken, wenn er mit einem Bruder oder einer Schwester zusammen ist, die Probleme mit dem Alkohol hatten. In solchen Fällen übt man Enthaltsamkeit um der Liebe willen. Um Enthaltsamkeit aus Bruderliebe geht es auch in 1.Kor.8, wo Paulus über den Umgang mit Götzenopferfleisch Belehrung gibt.
Enthaltsamkeit, Selbstzucht oder Keuschheit, griech. „egkrateia“ als Gegensatz zu Ehebruch, Hurerei, Unzucht, Saufen und Fressen ist in vielen Schriftstellen des NT erwähnt. Wir verstehen darunter die Beherrschung des Leibes vor allem im Blick auf das Geschlechtsleben, aber auch auf andere Gebiete wie essen, trinken und andere Genüsse oder Süchte. Es handelt sich um die Reinheit in der Gesinnung. Enthaltsamkeit oder Keuschheit schliesst Unzucht, Ehebruch. Hurerei usw. aus. Sie schliesst aber nicht die Geschlechtsbeziehung in der Ehe aus. Paulus empfiehlt den Gläubigen Enthaltsamkeit, warnt aber diesbezüglich vor Zwang.
1.Kor.7.19: „Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es gut für einen Menschen, keine Frau zu berühren. Aber um der Unzucht willen habe jeder seine eigene Frau, und jede habe ihren eigenen Mann. Der Mann leiste der Frau die (eheliche) Pflicht, ebenso aber auch die Frau dem Mann. Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; ebenso aber verfügt auch der Mann nicht über seinen eigenen Leib, sondern die Frau. Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr euch dem Gebet widmet und dann wieder zusammen seid, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. Dies aber sage ich als Zugeständnis, nicht als Befehl. Ich wünsche aber , alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.Ich sage aber den Unverheirateten und Witwen: es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten, denn es ist besser, zu heiraten, als (vor Verlangen) zu brennen.“
Wir sehen aus diesen Worten, dass totale Enthaltsamkeit in der Ehe nur auf gegenseitige Vereinbarung gepflegt werden soll, also nicht auf einseitigen Wunsch oder erzwungen, dadurch würde der „schwächere“ Teil in Gefahr gebracht. Enthaltsamkeit ist sicher angezeigt während der Zeit besonderer Dienste, wo man sich ganz auf das Wirken und Reden Gottes konzentrieren will.
Die Ehe macht nicht frei von Unreinheit. Wer vorher nicht frei ist, wird auch durch die Ehe nicht frei von unreinen Gedanken und Begierden. Da gilt es, den Glaubenskampf zu führen, oder, wenn es sich um einen unreinen Geist handelt, Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Enthaltsamkeit ist ein entscheidender Teil der Heiligung, und nach Hebr.12.14 wird niemand den Herrn schauen ohne Heiligung.
Wenn die Bibel von Enthaltsamkeit redet, so bezieht es sich in den meisten Fällen auf das Gebiet der Fleischeslust oder des Geschlechtslebens. So sind auch bei den Werken des Fleisches in Gal.5.19 zuerst „Ehebruch, Hurerei und Unreinheit“ aufgeführt vor Götzendienst, Zauberei etc. Geschlechts Beziehungen innerhalb der Ehe und der göttlichen Ordnungen sind nicht etwas schlechtes oder negatives. Bei den Verfehlungen auf diesem Gebiet handelt es sich jedoch um die schwerste Form von Sünde, weil dabei der Leib, der ein Tempel Gottes ist, verunreinigt wird. Lassen wir uns hierin nicht vom Zeitgeist oder von der heutigen, liberalen Anschauung beeinflussen (1.Kor.15.33). Die Ehe ist eine göttliche Ordnung und nach Eph.5.23-33 ein Abbild für das Verhältnis zwischen Christus als dem Haupt und der Gemeinde als Leib Christi. Sie zählt zu den heiligsten Dingen, die Gott den Menschen gegeben hat und ist ein Überrest aus dem Paradies. Halten wir sie heilig und in Ehrfurcht vor Gott.
1.Kor.6.15-20: „Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Das sei ferne. Oder wisst ihr nicht, dass, wer der Hure anhängt, ein Leib (mit ihr) ist? „Denn es werden“, heisst es, „die zwei ein Fleisch sein“. Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist (mit ihm). Flieht die Unzucht. Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist ausserhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr euch nicht selbst gehört? Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden, verherrlicht nun Gott mit eurem Leib.“
Hebr.13.4: „Die Ehe sei ehrbar in allem, und das Ehebett unbefleckt; denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.“
Eph.5.3-6: „Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht sollen nicht einmal unter genannt werden, wie es Heiligen geziemt; auch Unanständigkeit und albernes Geschwätz und Witzelei, die sich nicht geziemen, stattdessen aber Danksagung. Denn dies sollt ihr wissen und erkennen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger er ist ein Götzendiener ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes. Niemand verführe euch mit leeren Worten.“
1.Thess.4.3-7: „Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht fernhaltet, dass jeder von euch sich sein eigenes Gefäss in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu gewinnen wisse, nicht in Leidenschaft der Lust wie die Nationen, die Gott nicht kennen…. Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern in Heiligung.“
Es muss uns nicht verwundern, wenn Satan gerade auf diesem Gebiet starke Angriffe unternimmt, um von Gott besonders gesegnete Gläubige auszuschalten. Wer auf diesem Gebiet keinen Sieg hat, ist ständig innerlich tief verletzt, hat keine Freude und lebt in einer furchtbaren Knechtschaft. Enthaltsamkeit als Geistesfrucht ist daher keine Fessel, sondern eine wunderbare Befreiung.
Das Evangelium ist nicht eine Moral und Sittenlehre. Aber der Heilige Geist stellt uns auf eine hohe moralische und sittliche Ebene. Dies nicht als ein Produkt unserer Anstrengungen, sondern als Geisteswirkung oder Geistesfrucht.
Es folgen noch einige weitere Schriftstellen zum Thema „Enthaltsamkeit“:
Apg.24.25: „Als er (Paulus) aber über Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und über das kommende Gericht redete, wurde Felix mit Furcht erfüllt.“
1.Kor.9.25: „Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem.“
1.Tim.4.12: „Sei ein Vorbild der Gläubigen im Wort, im Wandel, in Liebe, im Glauben, in Keuschheit.“
1.Tim.5.2: „Ermahne.. einen älteren Mann als einen Vater, jüngere als Brüder, ältere Frauen als Mütter, jüngere als Schwestern in aller Keuschheit.“
2.Tim.3.3: „Menschen der Endzeit sind unenthaltsam, grausam usw.“
Tit.1.8: „Der Aufseher muss untadelig sein …. gerecht, heilig, enthaltsam.“
Tit.2.5: „Damit sie die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch.“
1.Petr.2.11: „Geliebte, ich ermahne euch als Beisassen und Fremdlinge, dass ihr euch der fleischlichen Lüste, die gegen die Seele streiten, enthaltet.“
2.Petr.1.6: „Reicht in eurem Glauben dar…. in der Erkenntnis die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren.“
Mit diesem Beitrag ist die Serie über „Geistesfrucht“ abgeschlossen. Aber nicht abgeschlossen ist unser geistliches Wachstum und Fruchtbringen. Möge der Herr diese Zeilen benutzen, dass in uns allen das Streben nach Geistesfrucht zunimmt, auf dass wir am Tage unseres Herrn Jesus vollausgestattet mit Frucht zur Ehre Gottes dastehen. Das ist mein Gebet für alle Leser.