Geistesgaben gemäss Römer 12
Daniel Schenk
Gnadengaben gemäss Römer 12.1-10 (Dienstgaben)
In den letzten fünf Ausgaben haben wir die neun Gnadengaben betrachtet, wie sie in 1.Kor.12.810 aufgezählt sind. Wenn wir über Gnadengaben reden, kommen wir aber auch an Römer 12.1-10 nicht vorbei. Während es in 1.Kor.12 und 14 um die Belehrung über die Geistesgaben und ihre Anwendung geht, redet Römer 12 mehr von den „Dienstrichtungen“ und ermahnt uns auch, den empfangenen Dienst treu auszuüben und darin beständig zu sein. Dabei geht es in den Versen 1+2 in erster Linie darum, dass wir uns völlig an Gott hingeben und uns von Ihm erneuern und umgestalten (heiligen) lassen.
Rö.12.1+2: „Ich ermahne euch nun, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes.“
Vers 3 redet davon, dass wir unsere Zuteilungen kennen und uns richtig einschätzen sollen.
Rö.12.3: „Nicht höher (von sich) zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Mass des Glaubens zugeteilt hat.“
In den Versen 4-6 braucht Paulus dann das gleiche Bild, wie es uns in 1.Kor.12.12-27 noch viel ausführlicher gezeigt wird. Es geht darum, dass wir verschiedene, sich gegenseitig ergänzende Dienste haben und doch zusammen einen Leib bilden. Dieses Prinzip müssen wir kennen und beachten, wenn wir mit den Gnadengaben dienen wollen. Wir wollen uns freuen über die vielgestaltige Gnade, die den einzelnen Gliedern des Leibes Christi zugeteilt ist.
Rö.12.4-6: „Denn wie wir in einem Leib viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Tätigkeit haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander. Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach der uns verliehenen Gnade, (so lasst sie uns gebrauchen).“
In den weiteren Versen von Rö.12 sind dann die sieben Gaben oder Dienste aufgezählt, die wir in den nachfolgenden Zeilen betrachten wollen:
Rö.12.6: „Es sei Weissagung, in der Entsprechung (analogia = Analogie) zum Glauben.“
Dazu möchte ich einen Ausschnitt aus der Elberfelder Studienbibel zitieren: „Was Paulus hier meint, ist, dass Prophetie im rechten Verhältnis zum von Gott zugeteilten Glauben und der festgelegten Lehre stehen und ihr entsprechen muss. Prophetie soll auf dem Fundament eines in rechter Weise handelnden Glaubens gründen, der wiederum selbst erbaut und gefördert werden muss (1.Kor. 14.1ff).“ (Ende Zitat).
Im Übrigen verweise ich auf den Artikel „Geistesgaben Weissagung“. Darin wurde das Thema „Weissagung“ nach 1.Kor.12.10 behandelt.
Rö.12.7: „Es sei Dienst, im Dienen.“
Paulus braucht hier das Wort „diakonia“. Das gleiche Wort wird auch an verschiedenen anderen Stellen verwendet, sowohl für den Dienst des Paulus als auch für den anderer Brüder (Apg.20.24; Rö.11.13; 1.Kor.12.5; Kol.4.17; 1.Tim.1.12; 2.Tim.4.5). In Luk.10.40 wird es auch für den Dienst der Martha gebraucht. Dieses Wort meint allgemein den Dienst, den jemand empfangen hat und zwar sowohl geistlichen wie auch praktischen (irdischen) Dienst. Welch ein Segen ist es für eine Gemeinde, wenn Menschen da sind, die ihre Dienste erkennen und darin treu und beständig sind, so dass man sich auf sie verlassen kann. Ich möchte hier einige solcher Dienste, sowohl praktische wie geistliche, aufzählen: Saaldienst, Küchendienst, Geschwister abholen, Tonbanddienst, Musik, Tonanlagen betreuen, Besuche machen, Kinderarbeit, Jugendarbeit, Gastfreundschaft aber auch Fürbitte und Gebet.
Rö.12.7: „Der lehrt, in der Lehre.“
Der Lehrer hat das Verlangen, ein tieferes Verständnis für das Wort Gottes sowie für den Willen und die Wege Gottes zu erlangen und dies auch an andere Menschen weiterzugeben. Durch die Lehrgabe hat er die Befähigung, das Wort Gottes in verständlicher Weise auszulegen, Wichtiges auf den Leuchter zu stellen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Durch diese Gabe und durch diesen Dienst wird Gehorsam gewirkt, die Erkenntnis gemehrt und der Glaube gestärkt.
Rö.12.8: „Der ermahnt, in der Ermahnung (griech. = Parakleo / paraklesis).“
Dem Sinn des Urtextes entsprechend, handelt es sich dabei in erster Linie um Trost und Hilfe. Die hier gebrauchten Worte sind verwandt mit „Parakletos“, was für den Heiligen Geist als Tröster, Beistand und Helfer gebraucht wird. Der Dienst der Ermahnung wird also in erster Linie Beistand, Trost, Hilfe und Stärkung sowie Neuausrichtung vermitteln. Ermahnung ist angebracht, wenn ein Fehlverhalten oder sogar Sünde vorliegen, aber auch bei Lauheit oder Verzagtheit. Ich glaube, dass wir allezeit Ermahnung brauchen, damit wir nicht nachlässig werden. Wir sollten immer bereit sein, Ermahnungen anzunehmen und nicht dagegen ausschlagen. Dies kann eine Entmutigung für diejenigen bewirken, die den Dienst der Ermahnung haben und es könnte eine wertvolle und notwendige Gabe unterdrückt und verdrängt werden. Ermahnung muss immer aus der Liebe kommen und darf nicht in einem Geist der Kritik angebracht werden. Es ist wichtig, dass der Ermahnende die Angelegenheit im Gebet vor Gott bewegt, bis er mit der nötigen Liebe erfüllt ist, um die Ermahnung voll Liebe und Mitgefühl auszusprechen. Ermahnung ist ein „priesterlicher“ Dienst und sollte auch in diesem Sinne ausgeführt werden.
Rö.12.8: „Wer Mildtätigkeit übt, tue es in Einfalt.“ (Geben oder mit anderen teilen).
Menschen mit dieser Zuteilung haben ein Auge und auch ein Feingefühl für die praktischen Bedürfnisse und Nöte der Geschwister. Sie werden davon innerlich stark berührt und haben die Gnade, ohne viel Aufsehen zu erregen praktische Hilfe zu leisten. Das wiederum bewirkt Ermutigung und auch viel Danksagung. Nach den Aussagen der Schrift ruht grosser Segen und reiche Belohnung auf diesem Dienst. Solche Geschwister erleben die Wahrheit des Wortes: „Geben ist seliger denn Nehmen“ (Apg.20.35).
Rö.12.8: „Der vorsteht, mit Fleiss.“
Der Vorsteher ist bereit, Verantwortung vor Gott und Menschen zu übernehmen und für die Gemeinde einzustehen. Er muss eine Vision von dem haben, was Gott mit „unserer“ Gemeinde tun will. Er kann nicht einfach irgendetwas kopieren, sondern muss auf das achten, was Gott ihm zeigt. Er kann auch nicht erwarten, dass seine Entscheidungen immer sofort von allen verstanden und anerkannt werden. Durch schlechte Erfahrungen und Widerstände darf er sich nicht aufhalten und entmutigen lassen. Ein grosses Vorbild eines Vorstehers haben wir an Mose, der auch dann vor Gott für die Herde eintrat, wenn sie ihn ablehnte. Er hatte auch genug Eifer, um ein zweites Mal auf den Berg zu steigen um die Gesetzestafeln neu zu empfangen. Der Antrieb für diesen Dienst muss die Liebe zu der Gemeinde sein.
Rö.12.8: „Der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.“
Mitleid haben oder mitleiden (griech. „eleeö“). Das Gegenteil davon ist , „hart sein“. Wer diesen Dienst hat, handelt so, wie der „barmherzige Samariter“, von dem Jesus in Luk.10.20–35 redet.
Lasst uns treu sein in dem Bereich, der uns zugeteilten ist. Der Herr kommt bald und damit auch der Lohn, Amen.