Güte und Strenge Gottes
Daniel Schenk
Römer 11.22+23: „Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du herausgeschnitten werden. Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott ist imstande, sie wieder einzupfropfen.“
Am Beispiel von Israel zeigt uns Paulus in Römer 11, dass Gott sowohl Güte als auch Strenge üben kann. Ich denke, dass wir beide Seiten von Gottes Wesen kennen und beachten müssen.
Die untreuen Weingärtner
Israel hatte wunderbare Verheissungen und Bündnisse. Sie haben auch auf mannigfache Weise das Handeln, die Treue und die Wunder Gottes erlebt. Trotzdem haben sie Gott immer wieder erzürnt durch Untreue, Götzendienst, Unglaube und Ungehorsam. Durch mancherlei Gerichte versuchte sie Gott zurechtzubringen, aber ihre Herzen blieben zum grossen Teil verstockt. Als sie dann auch noch Jesus, den Sohn Gottes, ablehnten und kreuzigten sowie die Zeugnisse der Apostel verwarfen, trat das ein, was Jesus im Gleichnis von den Weingärtnern vorausgesagt hatte:
„Was wird nun der Herr des Weinbergs ihnen tun? Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Luk.20.16.“
Hierin sehen wir die Strenge Gottes. Paulus bezeugt aber im eingangs erwähnten Textwort: „Gott ist imstande, sie wieder einzupfropfen.“
Ich denke, der Tag, an dem Gott dies tut, ist nicht mehr fern oder er hat bereits damit begonnen.
Jetzt aber sind wir, die Gemeinde aus den Nationen, diese „anderen Weingärtner“ und wir wollen uns der Güte Gottes würdig erweisen und entsprechend verhalten.
Gott als Vater
Gott ist ein Vater, als das wird er uns besonders im Neuen Bund gezeigt. Ein Vater muss je nach Situation sowohl Güte als auch Strenge anwenden. Es ist eine Gefahr, dass Gläubige je nach ihrer geistlichen Ausrichtung nur die eine oder nur die andere Seite von Gottes Wesen betonen. Das eine führt in eine oberflächliche Haltung, das andere in die Gesetzlichkeit und falsche Furcht vor Gott.
Dass Gott auch Strenge üben kann und muss, sehen wir daran, dass er es zuliess, dass sein Sohn gekreuzigt wurde. Dies geschah deshalb, weil Jesus zum Träger unserer Sünden geworden war und diese mussten gerichtet werden.
Ich möchte nachfolgend ein paar Bibelstellen aufführen, die von der Güte Gottes reden Anschliessend wollen wir aber auch solche Stellen betrachten, die von der Strenge Gottes reden.
Gottes Güte:
Titus 3.4+5: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.“
Joh.3.16+17: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde.“
Rö.5.8: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“
Eph.1.7+8: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich gegeben hat.“
Eph.2.4+5: „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner vielen Liebe willen, womit er uns geliebt hat, auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr errettet!“
Eph.2.7-9: „Damit er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erwiese in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“
Jona 4.2: „Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langsam zum Zorn und groß an Güte, und einer, der sich das Unheil gereuen lässt.“
Ps. 31.20: „Wie groß ist deine Güte, die du bereithältst denen, die dich fürchten, die du denen erweist, die sich bei dir bergen vor den Menschen.“
Ps.103.13: „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.“
Klagel.2.22+23: „Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue.“
Dies sind nur ein paar wenige der vielen Schriftstellen, welche uns die Güte und Liebe Gottes vor Augen führen. Einem solchen Gott dürfen wir völlig vertrauen. Er ist nicht launisch und Seine Güte endet auch nicht, wenn wir mal versagen und Fehler machen. Ja Seine Güte ist jeden Morgen neu.
Gottes Strenge:
Hebr.10.26 „Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird. Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Denn wir kennen den, der gesagt hat: „Mein ist die Rache, ich will vergelten“; und wiederum: „Der Herr wird sein Volk richten.“ Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“
Lk.12, 5: „Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet!“
- Kor 5,11: „Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir Menschen.“
Rö.2.3+6: „Denkst du aber dies, o Mensch, der du die richtest, die so etwas tun, und dasselbe verübst, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? Nach deiner Störrigkeit und deinem unbußfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken.“
Wenn ausschliesslich solche Worte in der Bibel stehen würden, und nicht auch solche, die uns die Güte und Gnade Gottes zeigen, dann müssten wir uns wirklich fürchten. Es ist ja gut, dass wir eine gesunde Gottesfurcht haben. Nicht eine, die uns von Gott wegtreibt, so dass wir uns vor Ihm verstecken wie einst Adam und Eva im Paradies, nachdem sie von der verbotenen Frucht gegessen hatten. Es geht um eine Gottesfurcht, die uns in der Gegenwart Gottes hält. Am Beispiel Israels haben wir gesehen, wie wichtig es ist, dass wir an dieser Güte, das bedeutet „in Christus“, bleiben.
Schriftstellen, die sowohl von der Güte als auch von der Strenge Gottes reden:
Joh.15.2: „Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.“
Hebr.12.5+6: „Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst! Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.“
In diesen zwei Schriftstellen werden zwei verschiedene Bilder gebraucht, die uns Gottes Bemühen um uns zeigen.
Das erste ist das vom Winzer (Weingärtner). Er ist darauf bedacht, dass die Rebe Frucht bringt. Dabei muss er uns ab zu auch schneiden und reinigen und Dinge entfernen, die unser geistliches Wachstum behindern würden.
Das zweite Bild ist das vom Vater, der seinen Sohn erzieht und dabei auch Strenge anwendet. Er tut das, weil er ihn lieb hat und das Beste für ihn will. So wollen wir auch unseren himmlischen Vater sehen. Wenn er in unserem Leben einmal Strenge anwendet und uns gewisse Dinge nicht durchlässt, so wollen wir darin seine Liebe sehen. Er möchte ja, dass wir umgestaltet werden in das Bild seines geliebten Sohnes Jesus Christus. Diese Umgestaltung ist ein Prozess, den wir Heiligung nennen und der geht nicht ab ohne Erziehung (Hebr.12.7-11).
Wir wollen beide Seiten von Gottes Wesen beachten. Sowohl die Güte als auch die Strenge. Das soll uns helfen, in einer gesunden Gottesfurcht zu leben.
Gott möge uns helfen, eine ausgeglichene Sicht und Verkündigung zu haben.