Nachjagen
Daniel Schenk
Die Menschen jagen nach irdischen und sichtbaren Dingen und haben dabei oft Erfolg. Es ist ein Unterschied, ob wir uns gegenüber einer Sache passiv verhalten oder ob wir ihr nachjagen. Beispiele dafür sind Ausbildung, Beruf, Karriere, Sport, Politik, Kunst, Reichtum, Ehre, Ansehen etc. Nicht alle diese Dinge sind schlecht und ein gewisses Mass an Streben und Eifer brauchen wir alle, um die an unser Leben gestellten Anforderungen zu erfüllen. Man jagt etwas nach, das man als wertvoll erkennt und das man erlangen möchte. Nachjagen erfordert Disziplin, Konzentration und Anstrengung. Meistens ist es auch verbunden mit Verzicht auf andere, oft angenehme Dinge wie Freizeit, Musse oder Vergnügen. Ein Sportler, der einen Siegspreis erlangen will, büsst viel ein von seiner persönlichen Bequemlichkeit. Paulus braucht in seinem ersten Brief an die Korinther das Verhalten der Sportler als Beispiel, um die Gläubigen zu motivieren, ihrem himmlischen Kampfpreis nachzujagen.
1.Kor.9.24-25: „Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.“
Der grosse Unterschied liegt darin, ob wir einem vergänglichen oder einem unvergänglichen Siegespreis nachjagen. Wir wollen unser Leben anhand dieses Wortes prüfen und, wo notwendig, die Prioritäten neu setzen. Wer einem vergänglichen Ziel nachjagt, erntet die Früchte davon in diesem Leben. Doch nicht allen gelingt es und gar mancher auch von den „Erfolgreichen“ ist am Schluss seines Lebens enttäuscht. Wer aber den unvergänglichen Zielen nachjagt, erwartet den Lohn in der Ewigkeit, geniesst aber die Frucht oft auch schon in diesem Leben. Schon Salomo schreibt in den Sprüchen von nachjagen:
Spr.12.11: „Wer sein Ackerland bebaut, wird sich satt essen können an Brot; wer aber nichtigen Dingen nachjagt, ist ohne Verstand.“
Dinge, denen wir nachjagen sollen
Ich möchte in den folgenden Zeilen einige unvergängliche Dinge aufzählen, denen wir nachjagen sollen:
Dem unvergänglichen Siegeskranz
Paulus schreibt in 1.Kor.9.25 von einem vergänglichen und einem unvergänglichen Siegeskranz und fordert uns auf, nach dem unvergänglichen zu streben. Er hat die Wettkämpfer in der Rennbahn beobachtet und hält folgendes fest: „Alle laufen, aber nur einer erhält den ersten Preis“. Er ruft die Gläubigen auf: „Lauft so wie der Sieger im Stadion, lauft, dass ihr den Siegespreis erlangt.“ Er meint damit nicht, dass nur einer von uns das Ziel erlangt, das wäre entmutigend. Was er damit ausdrückt ist, dass wir uns den Sieger zum Vorbild nehmen sollen für unseren geistlichen Lauf. Wie er selber das praktiziert, schreibt er in den Versen:
1.Kor.9.26+27: „Ich laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der in die Luft schlägt; sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte (versklave) ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.“
Paulus spricht zwei Bereiche unseres geistlichen Lebens an, den Lauf und den Kampf. Unter Lauf verstehen wir unsere Lebensführung, diese soll den Aussagen der Schrift entsprechen. Das bedeutet, dass wir in der Heiligung leben und uns durch den Heiligen Geist erziehen und ermahnen lassen. Einen gottgemässen Lauf gibt es aber nicht ohne Kampf, darüber lässt uns die Schrift nicht im Unklaren. Unser Kampf richtet sich einerseits gegen geistliche Mächte der Finsternis, gegen dämonische Wesen, andererseits gegen unser Fleisch mit den sündigen Neigungen und Begierden, das wir gemäss Gal.5.24 kreuzigen müssen. Wenn Paulus schreibt: „Ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn“, dann tut er das nicht mit einem Stock und mit Seilen, sondern er braucht die Waffen des Geistes gemäss Eph.6 und erlaubt seinem Fleisch nicht, sein Leben und seinen Lauf zu bestimmen. Er schreibt auch im zweiten Brief an die Korinther, dass wir durch die Waffen des Geistes unsere Vernunftschlüsse zerstören und unsere Gedanken gefangen führen unter den Gehorsam gegen Christus.
2.Kor.10.3-5: „Denn obwohl wir im Fleische wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir Vernünfteleien (Vernunftschlüsse) und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi.“
Der Heiligung
Hebr.12.14: „Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird.“
Wenn hier steht, dass man ohne Heiligung den Herrn nicht schauen wird, dann muss das Jagen danach bei uns sehr hohe Priorität haben. Heiligung wird gewirkt durch „Christus in uns“ (1.Kor.1.30), wir müssen aber einwilligen und unsere Glieder dazu hergeben (Rö.6.19). Das Ziel der Heiligung ist Heiligkeit in unserem ganzen Leben.
Dem Frieden
Ebenfalls Hebr.12.14 (siehe oben)
Ps.34.15: „Lass ab vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach!“
Petrus gibt in seinem ersten Brief ein Rezept für die, die das Leben lieben und gute Tage sehen wollen:
1.Petr.3.10+11: „Der halte Zunge und Lippen vom Bösen zurück , dass sie nicht Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach!“
Matth.5.9: „Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heissen.“
Dem Frieden nachjagen und ein Friedensstifter sein kann nur, wer dauernd bereit ist zu vergeben.
Der Liebe
1.Kor.14.1: „Strebt nach der Liebe.“
Phil.1.9: „Und um diese bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und aller Einsicht.“
Kol.3.14: „Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“
1.Thess.3.12: „Euch aber mache der Herr reicher und überströmend in der Liebe gegeneinander und gegen alle.“
1.Tim.6.11: „Strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut.“
2.Tim.2.22: „Strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen.“
Wie wir aus den obenstehenden Versen sehen, hat das Streben nach Liebe in den Briefen des Apostel Paulus eine grosse Bedeutung. Er meint damit nicht unsere eigene Anstrengung, um menschliche Liebe (phileo) zu produzieren. Er meint die von Gott gewirkte Liebe (agape), und diese ist gemäss Rö.5.5 durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen. Nach Liebe streben bedeutet somit, danach streben, allezeit voll Heiligen Geistes zu sein, immerfort zu vergeben und zu segnen
Den geistlichen Gaben
1.Kor.12.31: „Eifert aber um die grösseren Gnadengaben.“
1.Kor.14.1: „Strebt nach der Liebe, eifert aber nach den geistlichen Gaben.“
1.Kor.14.12: „So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben eifert, so strebt danach, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Gemeinde.“
1.Kor.14.39: „Daher Brüder, eifert danach, zu weissagen, und hindert das Reden in Sprachen nicht.“
Die geistlichen Gaben sind der Gemeinde zur Erbauung gegeben und sind somit ein grosser Segen. Es soll unser Bestreben sein, uns im Bereich unserer Berufung treu zu bewegen und die empfangenen Gaben anzuwenden. Merkspruch: „Die Gaben, die du hast, gebrauchst du oder verlierst du!“
Dem Glauben
2.Tim.2.22: „Strebe aber nach .. Glauben.“
Wir alle haben ein bestimmtes Mass an Glauben, wir sollen aber darin wachsen. Mit dem Glauben verhält es sich so wie mit einem Muskel, wenn man ihn braucht, erstarkt er, wenn man ihn nicht betätigt, erschlafft er.
Dem Guten
Gal.4.18: „Gut ist aber, allezeit im Guten zu eifern.“
Der Gerechtigkeit
Spr.15.9: „Ein Gräuel für den Herrn ist der Weg der Gottlosen; wer aber der Gerechtigkeit nachjagt, den liebt er.“
Spr.21.21: „Wer der Gerechtigkeit und Gnade nachjagt, findet Leben, Gerechtigkeit und Ehre.“
Jes.51.1: „Hört auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den Herrn sucht! Blickt hin auf den Felsen, aus dem ihr gehauen, und auf den Brunnenschacht, aus dem ihr gegraben seid!“
1.Tim.6.11 + 2.Tim.2.22: „ Strebe aber nach Gerechtigkeit etc.“
Wir sind durch den Glauben gerechtfertigt durch das Opfer Jesu Christi, daran können wir auch mit dem grössten Eifer nichts verbessern, es ist einfach Gnade. Nachjagen sollen wir aber der Gerechtigkeit, die in unserem Leben als Frucht der neuen Schöpfung durch unseren Wandel offenbar wird.
Der Erkenntnis des Herrn
Hos.6.3: „So lasst uns ihn erkennen, ja, lasst uns nachjagen der Erkenntnis des Herrn!“
In der Erkenntnis des Herrn sind wir noch nicht vollendet. Selbst Paulus hatte das Verlangen, den Herrn noch tiefer zu erkennen und er drückt es in seinem Brief an die Philipper wie folgt aus:
Phil.3.10: „Denn ich möchte IHN erkennen“ (Menge)
Der Vollendung, dem Ziel und Kampfpreis
Phil.3.12: „Nicht dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin. Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorne ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.“
Nachjagen bedeutet loslassen und ablegen
Hebr.12.1+2: „Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so grosse Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.“
Die Sünde macht träge, wer nachjagen will, muss sie ablegen. Im obigen Bibelwort sind wir auch aufgefordert, jede Bürden abzulegen. Ich denke dabei an Sorgen, Bitterkeit, Furcht und auch an tote und eigene Werke. Die Motivation zum Nachjagen empfangen wir durch das Hinschauen auf Jesus. Ein Läufer muss auf das Ziel konzentriert sein. Paulus sagt: „Ich jage auf das Ziel zu“ (Phil.3.12). Wenn die Verwandlung in Christi Bild das Ziel unseres Nachjagens ist, dann fällt es uns nicht schwer, die träge machende Sünde und jede behindernde Bürde abzulegen. Das, was wir vor Augen haben, übertrifft alle Angebote der Welt und der Sünde bei weitem.
Wer nachjagen will, muss sich stärken
Eph.6.10: „Im übrigen, meine Brüder, kräftigt euch im Herrn und in der Gewalt Seiner Stärke!“
Rö.4.20: „Abraham wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab.“
Eph.3.16: „Er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen.“
2.Thess.3.3: „Treu ist aber der Herr, der euch stärken und vor dem Bösen bewahren wird.“
Jak.5.8: „Habt auch ihr Geduld, stärkt eure Herzen! Denn die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen.“
Wir stärken uns im Herrn, wenn wir beten, Lobpreislieder singen, die Bibel lesen oder die Versammlungen der Heiligen besuchen. Lasst uns die Zeit für die wichtigsten Dinge auskaufen, denn der Tag der Wiederkunft unseres Herrn ist nahe. Halleluja!
(Juli / August 2001)