Bibel-Themen

eine Sammlung von Beiträgen zu biblischen Themen

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Nehmt euch der Schwachen an

Daniel Schenk

Die Gemeinde stellt nach aussen kein kräftiges und imposantes Gebilde dar. Ihre Stärke ist nicht sichtbare Herrlichkeit oder sonst irdische Dinge. Sie besteht auch nicht aus den Weisen und Mächtigen der Welt, obschon Gott diese nicht ausschliesst. Trotzdem wollen wir uns der Gemeinde nicht schämen, denn vor Gott ist sie die Säule und Grundfeste der Wahrheit. Der Welt aber erscheinen die Gläubigen oft als schwach und verächtlich. So sagt es Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther:

1.Kor.1.26-28: „Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nichts ist, damit er das, was ist, zunichtemache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.“


Schwachheit bei Gläubigen

Es gibt eine Schwachheit, die auch diejenigen haben, die im Glauben stark sind. Diese ist bedingt durch unseren irdischen Leib. Solche Schwachheit ist von Gott gewollt und hält uns in der Abhängigkeit von Ihm. Wir alle stossen doch immer wieder an Grenzen, wo wir auf die Hilfe des Herrn so sehr angewiesen sind. Weil Jesus während Seiner Erdenzeit auch einen menschlichen Leib hatte wie wir, kann er Mitgefühl haben mit unseren Schwachheiten (Hebr.4.15). Auch die Apostel haben diese Schwachheit erlebt und sie waren trotzdem treu in ihrem Dienst. Besonders Paulus schreibt darüber speziell in den beiden Korintherbriefen und kommt in 2.Kor.12.10 zu dem Schluss:

„Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“

Über diese „gottgewollte“ Schwachheit habe ich einen Beitrag für die Ausgabe Febr. 1997 geschrieben.


Sich der Schwachen annehmen

  1. Thess.5.14: „Wir ermahnen euch aber, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle!“

   Bei dieser klaren Aufforderung der Schrift geht es nicht um die obengenannte, gottgewollte Schwachheit, obschon wir auf diese auch Rücksicht zu nehmen haben. Es gibt tatsächlich Schwache in der Gemeinde, dies war schon zu den Zeiten der Apostel so und ist auch schriftgemäss. Der Dienst der „Starken“ soll dazu führen, dass auch die Schwachen erstarken können. Paulus redet sogar von der Notwendigkeit solch schwacher Glieder:

  1. Kor.12.22: „Sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig“.


Menschliche Schwachheit

Es gibt Glaubensgeschwister, die menschlich schwach sind. Sei es, dass sie nicht sehr intelligent sind oder sei es, dass sie körperlich schwach oder behindert sind. Auch Armut ist eine Form von Schwachheit. Alle diese Menschen können aber trotzdem stark sein im Glauben und im Geist und sind ein grosser Segen für die Gemeinde. Gerade solche, die im Glauben einfältig sind, sind bei Gott besonders angenehm. Manchmal kommen sie aber mit den äusseren Dingen des Lebens nicht so gut zurecht. Sie müssen darin getragen werden und brauchen in diesem Bereich Hilfe und Unterstützung.


Geistliche Schwachheit

Die geistlichen Schwachheiten von Geschwistern, die wir zu tragen und deren wir uns anzunehmen haben, können verschiedene Ursachen haben.

   Es kann sein, dass sie im Glauben noch sehr jung und somit noch nicht gereift sind. Sie müssen noch geistlich wachsen. In diesem Falle brauchen sie Begleitung, Unterstützung, Ermahnung und Belehrung. Sie brauchen mehr Zuwendung als solche, die im Glauben schon gereift sind.

   Es gibt auch Schwachheit bei Gläubigen, die schon lange auf dem Weg sind, man könnte diese eine „selbstverschuldete Schwachheit“ nennen. Ihre Schwachheit rührt daher, dass sie nicht „voll Geistes“ sind. Wir wissen, dass die Bibel sagt: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch kommt.“

     Wenn wir nur wenig Heiligen Geist haben, dann haben wir wenig Kraft, wenn wir voll Heiligen Geist sind, dann haben wir viel Kraft. Bei ihnen liegt die Ursache darin, dass sie nicht danach trachten, voll Geistes zu sein. Es ist trotzdem wichtig, dass wir solche Menschen tragen und versuchen, sie auf ihrer Ebene zu fördern, ihnen zuzusprechen und sie zu ermutigen.

   Bei anderen kommt die Schwachheit aus Unwissenheit über die geistlichen Dinge (Hebr.5.2). Sie nehmen sich zu wenig Zeit, um sich mit dem Wort Gottes und mit den biblischen, geistlichen Dingen auseinander zusetzen. Dadurch sind sie zu wenig in der Wahrheit gegründet und können dem Feind nicht mit dem Wort Gottes widerstehen.

   Dann gibt es Menschen, die sind schwach im Glauben. Der Glaube wächst ja bekanntlich durch das Hören und Lesen des Wortes. Auch diese Schwachheit ist eine Folge davon, dass sie sich zu wenig mit dem Wort  und mit geistlichen Dingen befassen.

   Schwachheit entsteht auch, wenn wir uns nicht Zeit nehmen zum Gebet. Wenn wir den Umgang mit Gott nicht pflegen und die Gemeinschaft der Heiligen vernachlässigen, dann werden wir geistlich „unterernährt“. Es entstehen dann geistliche Mangelerscheinungen, die wir auch als Schwachheit bezeichnen können.

   Eine andere Form von Schwachheit ist mangelndes Vertrauen zum Herrn, zu den Geschwistern und auch zu sich selber. Diese Schwachheit äussert sich in Ängstlichkeit und Verzagtheit.

   Auch Gesetzlichkeit kann ein Grund sein für geistliche Schwachheit. Obschon gesetzliche Menschen nach aussen eher stark erscheinen und oft andere verurteilen, sind sie doch durch ihre Haltung geschwächt. Das Gesetz verurteilt sie und klagt ihr Gewissen an, denn niemand kann alle Gebote erfüllen oder durch das Gesetz Versöhnung empfangen. Bei solchen Menschen wollen wir darauf achten, dass wir ihnen nicht unnötig Anstoss geben, jedoch ohne dass wir uns dabei selbst unter ein Joch der Knechtschaft begeben. Wir wollen versuchen, sie in Liebe in die Freiheit des Geistes zu führen.

   Schwachheiten treten überall da auf, wo das Fleisch, das Ich, und das alte Wesen noch Raum haben und zur Geltung kommen.


Ein Gebot des Herrn

Sich der Schwachen anzunehmen, ist ein Gebot des Herrn, genauso wie das Gebot, einander zu lieben. Auch die schwachen Glieder gehören zum Leib Christi und ohne sie wird der Leib nicht vollendet. Sie zu tragen und ihnen zur geistlichen Reife zu verhelfen, ist somit im Interesse der ganzen Gemeinde. Wir sollen einander Gnade erweisen, indem wir die Schwachheiten ertragen und auch tragen. Die nachstehend aufgeführten Schriftstellen zeigen uns die richtige Haltung gegenüber den Schwachen:

Hes.34.4: „Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt.“

Hes.34.21: „Weil ihr all die Schwachen mit Seite und Schulter verdrängt, und mit euren Hörnern stosst, bis dass ihr sie nach draussen zerstreut habt, so will ich meine Schafe retten, damit sie nicht mehr zum Raub werden.“

Apg.20.35: „Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeitend sich der Schwachen annehmen und an die Worte des Herrn Jesus denken müsse, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen.“

Rö.14.1: „Den schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen.“

Rö.15.1: „Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu

tragen und nicht uns selbst zu gefallen.“

  1. Thess.5.14: „Nehmt euch der Schwachen an.“


Wie äussern sich die Schwachheiten?

Je nach den Ursachen haben die Schwachheiten auch verschiedene Ausdrucksformen. Bei einem kann es sein, dass er ab und zu „abstürzt“ in das alte Leben oder sogar in ein früheres „Suchtverhalten“ (Alkohol, rauchen etc.) oder sonst ein Verhalten an den Tag legt, mit dem er der Gemeinde keine Ehre macht. Bei einem andern zeigen sich noch Elemente der alten Schöpfung wie Stolz, Eigensinn, Eifersucht, Zorn oder andere, in Kol.3.8 aufgezählten Dinge, von denen geschrieben steht, dass sie abgelegt werden sollen. Auch geistliche Unmündigkeit, wie sie in 1.Kor.3.1-5 beschrieben ist, muss als Schwachheit bezeichnet werden. Der Unmündige hängt sich sehr stark an Menschen und braucht immer wieder Zuspruch in den Anfangslehren. In 1.Thess.5.14 sind nebst den Schwachen auch die Unordentlichen und Kleinmütigen genannt, was auch Schwachheit bedeutet. Die Unordentlichen brauchen Zurechtweisung und die Kleinmütigen müssen getröstet werden.


Wie können wir die Schwachheiten tragen?

Demut und Sanftmut sind Voraussetzungen, um die Schwachheiten der Mitmenschen und Glaubensgeschwister tragen zu können. Demut und Sanftmut haben sowohl Mose als auch Jesus ausgezeichnet. Von Mose lesen wir, dass er der sanftmütigste Mensch auf Erden war und Jesus hat gesagt: „lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt.11.29). Dennoch gab es Momente, wo sie an die Grenze ihrer Tragkraft kamen, aber sie haben nicht aufgegeben und haben die Schwachen nicht fallen gelassen. Als Jesus vom Berg der Verklärung zurückkam, hatte ein Vater seinen fallsüchtigen Knaben zu den Jüngern gebracht und sie konnten ihn nicht heilen. Da antwortet Jesus: „O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, bis wann soll ich bei euch sein und euch ertragen?“ (Luk.9.41). Doch Er hat nicht aufgehört, die Seinen zu tragen und zu lieben. Als sie dann an Pfingsten mit Heiligem Geist erfüllt waren, war die Schwachheit vorbei und sie konnten in Kraft dienen und selbst die Schwachen tagen. Das ist auch für uns der Weg. Lasset uns darauf achten, dass wir allezeit voll Geistes sind, dann haben wir Kraft und Liebe, und die Schwachheiten zu tragen und nicht wohlgefällig an uns selbst zu denken, wie es in Rö.15.1 geschrieben steht. Wenn der Herr will, dass wir die Schwachheiten der Geschwister tragen, dann wird er uns dabei auch helfen und uns in jedem Fall die Weisheit und die Leitung geben zu dieser nicht leichten Aufgabe, denn aus unserer eigenen Kraft können wir es nicht. Nachstehend noch ein paar Möglichkeiten, wie wir uns der Schwachen annehmen und ihre Schwachheiten tragen können:

  • Indem wir sie in Liebe und Geduld annehmen ohne ihnen ständig Vorwürfe zu machen.
  • In Liebe ermahnen.
  • In Fürbitte und Gebet für sie einstehen.
  • Selber ein starkes Vorbild sein.
  • Unsere eigenen Schwachheiten nicht zudecken und beschönigen.
  • Zeugnis geben von unserem eigenen Leben und wie wir gelernt haben zu überwinden.
  • Die Schwachen durch die gute Speise des Wortes zum Wachsen bringen, damit sie aus der Unmündigkeit herauskommen.

   Der Herr möge uns allen viel Gnade und Weisheit geben, damit wir Seinem Willen gemäss einander tragen können.

(Juni 2000)

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