"Nichts Gutes" oder "alles Gute" in uns?
Daniel Schenk
Widerspricht sich Paulus?
Rö.7.18: “ Denn ich weiß, dass in mir …. nichts Gutes wohnt. „
Philemon 6: “ Dass die Gemeinschaft deines Glaubens wirksam werde in der Erkenntnis alles Guten, das in uns… ist.“
Wenn wir diese zwei Bibelstellen einander gegenüberstellen, so scheint es, dass sie sich wiedersprechen. Einerseits steht in Rö.7.18, „dass in mir nichts Gutes wohnt“.
Andererseits schreibt der gleiche Apostel in Philemon 6 von „allem Guten, das in uns ist“.
Was stimmt jetzt? Kann im gleichen Mensch „alles Gute“ und dann wiederum, „nichts Gutes“ sein?
Wenn wir die Worte, die ich oben ausgelassen ( … ) habe, einfügen und den vollständigen Text lesen, dann hilft das die Fragen zu beantworten.
In Römer 7.18 heisst es: „dass in mir, das ist in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt“.
Und in Philemon 6: „in der Erkenntnis alles Guten, das in uns im Hinblick auf Christus ist“.
Wenn ich sage: „In mir wohnt nichts Gutes“, dann ist das falsch, wenn ich es auf den wiedergeborenen Geist, oder anders ausgedrückt, auf das, was ich in Christus bin, beziehe. Es ist aber richtig, wenn ich es auf das Fleisch beziehe, und das tut Paulus in dem Schriftwort von Rö.7.18.
Wir leben in einem Spannungsfeld
Wir leben in einem Spannungsfeld zwischen dem, was wir schon sind und dem, was noch nicht in Erscheinung getreten ist. Das bedeutet für uns, dass wir in einem geistlichen Kampf stehen. Es ist deshalb wichtig, dass wir unterscheiden lernen zwischen Fleisch und Geist.
2.Kor.10.3+4: „Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen.“
Der Kampf zwischen dem wiedergeboren Geist und dem Begehren des Fleisches:
Unser Geist ist wiedergeboren, nicht unser Fleisch. Dieses hat immer noch die natürlichen Begehren und möchte, dass diese befriedigt werden. Unser Geist ist geheiligt, unser Fleisch aber wird nie fromm werden, auch wenn wir viele Jahre gläubig sind. Paulus drückt das klar aus, wenn er in Gal.5.17 schreibt:
„Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt…“
Auch die nachstehend aufgeführten Bibelstellen von Paulus und Jakobus zeigen uns, welche Konsequenzen es hat, wenn wir das Fleisch herrschen lassen:
Rö.8. 6‑8: “ Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden, weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht. Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen.
Jak.1.13-16: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Irret euch nicht, meine geliebten Brüder!
Aus diesen Bibelstellen ist ersichtlich, dass es keine harmlose Sache ist, wenn in uns das Fleisch der bestimmende Faktor ist. Wenn wir aufhören im Geiste zu leben und unsere „Stellung in Christus“ nicht einnehmen, dann gewinnt wieder das Fleisch die Oberhand. Weil dieses nicht wiedergeboren ist, hat es den Hang zur Sünde. Es wird die gleichen alten Werke hervorbringen, wie sie in Gal.5.19‑21 aufgezählt sind. Wir müssen also etwas gegen unser Fleisch unternehmen.
Wie sollen wir mit unserem „Fleisch“ umgehen?
Wenn Paulus sagt, dass in unserem Fleisch nichts Gutes wohnt, dann müssen wir sehr wachsam sein, dass wir nicht von ihm bestimmt und geleitet werden. Sonst kommen aus unserem Leben fleischliche Handlungen hervor und diese führen zum geistlichen Tod. Wir müssen unser Fleisch „kreuzigen“, das bedeutet, dass wir damit rechnen: „ich bin mit Christus gestorben (mitgekreuzigt)“. Wir wollen ein paar Schriftstellen zu uns reden lassen und dabei bedenken, dass sie an gläubige Menschen gerichtet sind:
Gal.5.24: „Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.
Gal.2,19: „Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus gekreuzigt.“
Gal.6.14: „Mir aber sei es fern, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“
Rö.6.6: „Da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.“
Rö.6.11-14: „So auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus. So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorche; stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit! Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“
Kol.3.3: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“
Rö.8.12: „So sind wir nun, Brüder, nicht dem Fleisch Schuldner, um nach dem Fleisch zu leben; denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“
Gal.5.16: „Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.“
Es ist ein trauriger Zustand, wenn ein Mensch Jesus nachfolgen will und doch keinen Sieg über die Sünde hat. Er ist dann dauernd angeklagt und kann sich nicht freuen. Das muss nicht so sein. Die Bibel verheisst uns den Sieg über die Sünde und über das Fleisch.
2.Kor.2.14: „Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart!“
Je stärker wir im Geiste sind, desto weniger Mühe haben wir mit den Begierden des Fleisches. Wir sollten deshalb ein Bewusstsein entwickeln für das, was wir in Christus geworden sind und darin auch leben. Wir können das Fleisch nicht durch unseren Willen überwinden und auch nicht durch das Gesetz. Die Lösung besteht darin, dass wir im Geiste leben und die geistlichen Waffen gebrauchen. Dann können wir überwinden und den Sieg davon tragen zur Ehre des Herrn.
Worin besteht all das Gute, das wir in Christus Jesus haben? (Luther Ü)
Wenn ein Mensch Jesus in sein Leben
aufgenommen hat und wiedergeboren ist, dann ist er eine neue Schöpfung geworden.
2.Kor 5,17: „Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
Über diese neue Schöpfung stehen wunderbare Dinge in der Schrift. Wir wollen ein paar davon betrachten:
Was wir „In Christus“ sind
- Lebendig gemacht Eph.2.5
- Mitauferweckt Eph.2.6; Kol.2.12; Kol.3.1
- Im Geist in die Himmelswelt versetzt Eph.2.6
- Fest gegründet und gesalbt 2.Kor. 1.21
- Im Triumph geführt Kor.2.14
- Eine neue Schöpfung Kor.5.17
- Versöhnt Kor.5.19
- Gerechtfertigt Rö.8.1; Gal.2.17
- Gesegnet mit jedem geistlichen Segen Eph.1.3
- Auserwählt 1.4
- Begnadigt (Erlösung/Vergebung) 1.Kor,1.4; Eph.1.6+7
- Erben Gottes Rö.8.17; Eph.1.11
- Versiegelt mit dem Hl. Geist 1.13
- Geschaffen zu guten Werken 2.10
- Der Liebe Gottes teilhaftig Rö.8.39
- Mitgekreuzigt 2.20
Das alles sind wir im Geist und in Christus. Wenn wir diesen „guten Dingen“ viel Raum lassen, sie glauben und darin leben, dann haben wir nicht mehr Probleme mit unserem Fleisch. Es werden wohl noch Anfechtungen kommen, aber wir sind in der Lage zu überwinden. Wenn man Niederlagen hat, dann ist man betrübt, aber wenn man den Sieg erlebt, bewirkt das Freude. Diese Freude des Sieges wünsche ich allen Lesern. Bleibet in Ihm und wandelt im Geist, dann werdet ihr die Werke des Fleisches nicht mehr vollbringen sondern Gott Ehre machen mit eurem Geiste und mit eurem Leibe.