Schwachheit
Daniel Schenk
Es entspricht der Weisheit Gottes, dass Er schwache Gefässe benützt, damit die Ehre Ihm allein zuteil wird. Schwachheit muss uns oft dienen, indem sie uns dazu zwingt, das Angesicht des Herrn zu suchen und tiefer im Wort zu graben. Dabei stossen wir auf wunderbare Verheissungen und machen Glaubenserfahrungen. In der Schwachheit erleben wir die Macht und Kraft Gottes. Wir lernen den Herrn besser kennen und erfahren in diesen Situationen, dass Er uns nie verlässt und dass Er allezeit alles unter Seiner Kontrolle hat. Solche Erfahrungen machen wir nicht, solange wir in uns selbst stark sind. Da muss der Herr zurücktreten und warten, bis wir die Dinge aus der Hand geben und Ihm überlassen. Dazu sind wir oft nur in der Schwachheit bereit. Darum sagt Paulus in
- Kor.12.9: „Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“
Er betonte es immer wieder, dass er sich nichts anderes rühmen will als seiner Schwachheit, denn: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2.Kor.12.10). Solange ich selbst stark bin, werde ich schwach sein in bezug auf Vollmacht gegenüber dem Reich der Finsternis, weil ich noch in meiner eigenen Kraft dastehe. Wenn ich aber meiner eigenen Kraft und Herrlichkeit entkleidet bin, dann ist Christus in mir mächtig, dann hat Er Raum, sich zu offenbaren und ich bin stark in Ihm. Gott will sich durch schwache Gefässe offenbaren, damit sichtbar wird, dass die Kraft nicht aus uns stammt, sondern aus Ihm und damit auch Ihm die Ehre zuteil wird.
2.Kor.4.7: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefässen, auf dass die überschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns“
Die Schriftstellen, die von der gottgewollten Schwachheit reden, meinen nicht, dass wir im Glauben schwach sein sollen. Im Glauben sollen wir stark sein und uns kräftigen im Herrn. „Stark in dem Herrn und in der Macht Seiner Stärke.“ Wir sollen aber nicht in unserer eigenen Stärke dastehen. Es kommt nicht darauf an, ob wir uns stark fühlen oder schwach. Wir neigen oft dazu, dass wir verzagt sind und nicht zu glauben wagen, wenn wir uns schwach fühlen. Gerade in diesen Situationen sollen wir das Wort anwenden: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Es ist nicht unsere Kraft, nein: „Gottes Kraft hat’s stets getan, dass wir’s weiter wagen.“ Gottes Kraft ist immer die gleiche und die Verheissungen Gottes sind „Ja und Amen in Ihm“ (2.Kor.1.20). Gott verändert sich nicht. In unserer Seele, in unserem Gefühlsleben sind wir Schwankungen unterworfen. Da fühlen wir uns manchmal stärker und oft auch schwach. Es ist wichtig, dass wir uns nicht von den Gefühlen abhängig machen oder uns von ihnen bestimmen lassen, sondern dass wir im Glauben fest bleiben. Es wurde oft gesagt: „Unsere Verlegenheiten sind Gottes Gelegenheiten.“ Das ist eine Wahrheit. Gott benützt unsere Schwachheit, um Seine Herrlichkeit darin zu offenbaren. Wenn wir z.B. mit jemand beten und ihm Hände auflegen, kommt es nicht darauf an, wie stark wir uns fühlen. Unser Glaube richtet sich dabei ja auf unsern starken, mächtigen Herrn und auf das vollbrachte Opfer von Golgatha aus. Wenn wir den Namen des Herrn anrufen, dann löst Er seine Verheissungen ein. Wir haben viele Beispiele in der Bibel, wie Gott schwache Gefässe benützt hat um Seine Siege zu erringen und Sein Vorhaben auszuführen. So war Israel, das Volk Seiner Auswahl, ein schwaches Nomadenvolk und von den Ägyptern verachtet. Immer wieder in der Geschichte wollte man dieses Volk vernichten. Aufgrund ihrer Zahl und militärischen Stärke hätten sie sich nie behaupten können. Aber der Schrecken Gottes kam jeweils über ihre Feinde. Ich möchte hier nur zwei Beispiele anführen:
- Beispiel: Juda war in babylonischer Gefangenschaft. In dieser Zeit wurde das babylonische Reich durch das medo-persische abgelöst. In Susa regierte der mächtige Perserkönig (Ahasveros) Xerxes (zwischen 486 bis 465 v.Chr). Damals sollten alle Juden umgebracht werden. Durch den Judenhasser Haman war schon alles in die Wege geleitet. Doch Gott errettete die Menschen Seiner Auswahl auf wunderbare Weise durch die Königin Esther. Die Geschichte kann im Buch Esther nachgelesen werden.
- Beispiel: Als 1948 der Staat Israel gegründet wurde, waren 650’000 Juden in diesem Land. 160 Millionen Moslems waren entschlossen, Israel zu vernichten und erklärten den Krieg. Die innerhalb Israels lebenden Palästineser forderten sie auf, für 2 Wochen das Land zu verlassen. Wenn die Juden vernichtet sein würden, könnten sie wieder zurückkehren. Die Palästineser warten immer noch als von ihren Glaubensbrüdern betrogene auf die Rückkehr, denn Israel hat wieder alle Erwartungen gesiegt.
Wir wissen auch aus der Kirchengeschichte, dass das wahre Evangelium sich nicht durch mächtige Personen oder Staaten ausgebreitet hat. Meistes waren es schwache Gefässe, wie z.B. Gefangene, die in ihrer Gefangenschaft ihren Glauben gelebt haben, so dass durch ihr leuchtendes Vorbild und ihr Zeugnis ganze Volksstämme dem Heidentum absagten und das Evangelium von Jesus Christus akzeptierten. Diese Menschen hatten keine politische Macht, in ihrer schwachen Position war es das pure Evangelium, das die Menschen überführte.
Auch der Apostel Paulus kam sowohl zu den Korinthern wie auch zu den Galatern in grosser Schwachheit. Davon legen folgende Verse Zeugnis ab:
1.Kor.2.3-5: „Und ich war bei euch in Schwachheit und mit Furcht und vielem Zittern; und meine Rede und meine Predigt bestand nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe.“
Gal.4.13: „Ihr wisst aber, dass ich euch das erste Mal in Schwachheit des Fleisches das Evangelium verkündigt habe.“
Trotz dieser Schwachheit hatte seine Predigt einen durchschlagenden Erfolg.
Sogar von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, heisst es in:
2.Kor.13.4: „Denn er wurde zwar aus Schwachheit gekreuzigt, aber Er lebt aus Gottes Kraft; denn auch wir sind schwach in Ihm, aber wir werden mit Ihm leben aus Gottes Kraft euch gegenüber“.
Was wäre entstanden, wenn der Herr auf Golgatha Stärke demonstriert hätte und vom Kreuz herabgestiegen wäre? Es wäre für Ihn ein Leichtes gewesen. Es hat viel mehr Kraft gebraucht, am Kreuze zu bleiben und die Erlösung zu vollbringen. Die Kraft der göttlichen Liebe war es, die Ihn befähigte, „schwach“ zu sein. Nicht die Nägel hielten Ihn am Kreuze fest, sondern Seine Liebe zu uns. Jesus wird bezeichnet als das Lamm Gottes. Das Lamm ist etwas Unauffälliges und Schwaches. Es hat keine grosse Herrlichkeit. Den gleichen Charakter hat auch die Gemeinde, Lammescharakter und Lammesnatur. Es ist immer eine grosse Gefahr, dass auch die Gläubigen danach streben, gross zu werden und in dieser Welt etwas zu gelten. Und doch sagt die Schrift in
Kol.3.3: „Ihr seid ja doch gestorben, und euer Leben ist zusammen mit Christus in Gott verborgen.“
Wir werden zusammen mit Ihm in Herrlichkeit offenbar werden, aber erst, wenn Er offenbar werden wird, dann werden wir Ihm gleich sein. Bis dahin geht unser Weg durch Erniedrigung. Der Weg der Gemeinde ist nach aussen ein Weg der Schwachheit, der Niedrigkeit, so wie es uns auch gesagt wird in 1.Kor.15.43: „Es wird gesät in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistiger Leib.“
Das ist der Weg und das Wesen der Gemeinde. Lasst uns sehr wachsam sein. Man wollte schon Nehemia zu wichtigen Gesprächen mit bekannten Persönlichkeiten verleiten. Er aber erkannte, dass dies seinen wirklichen Auftrag, die Stadtmauer Jerusalems zu bauen, negativ beeinflussen würde. Viele geistliche Bewegungen haben einst gut angefangen. Plötzlich kam ein Streben nach Sichtbarkeit und Grösse und äusserem Prunk. Angefangen von teuren Gebäuden bis hin zu prunkvollen Kirchen. Man muss Türme haben, man muss imposante Bauten haben, gewissermassen als Denkmäler. Man will etwas darstellen. Aber alles was nach Macht strebt in dieser Welt, hat nicht Gemeindecharakter und entspringt nicht der Lammesnatur. Die Gemeinde jedoch folgt dem Lamme, wohin es geht. Möge der Herr uns bewahren, dass wir bereit sind, diesen Weg mit Ihm zu gehen. Für viele ist es schwer, zu akzeptieren, dass die Gemeinde in äusserlicher Niedrigkeit und Schwachheit dasteht. Es wird dann versucht, mit der Welt in irgendeiner möglichst religiösen Form zusammenzuspannen, damit man das Gesicht und das Ansehen vor der Welt wahren kann. Doch schon in der Offenbarung lesen wir, dass es die Hure ist, die auf dem Tier (der weltlichen Macht) reitet. Die Gemeinde aber macht keine Kompromisse mit der frommen Welt. Sie lässt sich leiten von dem Wort aus 1.Kor.1.25-27: „Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit Er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit Er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit Er das, was ist, zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.“
In Römer 8.26 steht, dass der Geist unserer Schwachheit zu Hilfe kommt. Nur deshalb konnte Paulus schreiben in 2.Kor.12.10: „Darum habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wen ich schwach bin, dann bin ich stark.“
(Febr. 1997)