Suchen was droben ist
Daniel Schenk
Kol.3.1-4: „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist, denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit Ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.“
Dieses Schriftwort benennt die Voraussetzungen, enthält Ermahnungen oder Aufforderungen und zeigt uns das Ziel.
Voraussetzungen:
- Mit Christus auferweckt
- Ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott
Ermahnungen / Aufforderungen:
- Sucht, was droben ist, wo der Christus ist
- Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist
Ziel:
- Mit Ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit, wenn Christus geoffenbart werden wird
Wenn die genannten Voraussetzungen fehlen, werden wir immer nur das suchen, was auf Erden ist. Die Erwartung, mit Ihm in Herrlichkeit geoffenbart zu werden, haben wir nur, wenn wir mitgestorben und mitauferweckt sind. Dabei nimmt Paulus Bezug auf Kol.2.12:
„Mit Ihm begraben in der Taufe, in Ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der Ihn aus den Toten auferweckt hat.“
Dieser wichtige Schritt, den wir in der Taufe bezeugen, befähigt uns zur Nachfolge, so dass wir nach dem suchen und auf das sinnen können, was droben ist. Dies kommt auch in den folgenden Schriftstellen zum Ausdruck:
Gal.5.25: „Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln!“
2.Kor.4.17+18: „Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Massen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“
Wir gehen davon aus, dass beim Leser die vorgenannten Voraussetzungen stimmen und wollen uns in dieser Wortbetrachtung dem Weg zuwenden und uns die Frage stellen: „Wie kann ich das suchen und auf das sinnen, was droben ist?“ Denn nur wenn wir, nachdem die Voraussetzungen erfüllt sind, auch den Weg mit Ihm gehen, werden wir das Ziel erreichen, mit Ihm offenbar zu werden in Herrlichkeit.
Wenn wir das oben stehende Textwort aus Kol.3.1 im Kontext (Zusammenhang) des ganzen Briefes lesen, erkennen wir, was Paulus mit „suchen was droben ist“ meint. Wir finden in den anschliessenden Versen (Kap.3.5 bis 4.6) zwölf Punkte, wie wir dies praktisch verwirklichen können:
1. Die Sünde in unseren Gliedern ertöten.
Vers 5: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist.“
Es ist wichtig, dass wir die Sünde bereits als Gedanke erkennen und ertöten und dass wir sündigen Gedanken keinen Raum lassen. Wir dürfen nie mit solchen Gedanken spielen, denn sie bergen den Keim des Todes in sich. Wir müssen das Prinzip beachten nach Jak.1.15: „Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“
Es gilt, das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden zu kreuzigen (Gal.5.24). Um die Sünde zu ertöten bedarf es geistlicher Waffen, unser Wille ist zu schwach. Römer 8.13 macht folgende, klare Aussage:
„Wenn Ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“
Es geht nicht nur darum, dass wir nicht mehr sündigen dürfen, nein, wir müssen nicht mehr. Die Sünde darf nicht mehr über uns herrschen, denn wir stehen unter der Gnade. Die Gnade schützt uns und entkräftet die Sünde.
Rö.6.6: „Wissen wir doch, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde ausser Wirksamkeit gesetzt sei, so dass wir der Sünde nicht mehr dienen.“
Rö.6.14: „Die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“
Wenn die Schrift von „töten“ redet, dann bedeutet das, dass wir sehr radikal dagegen auftreten müssen. Wenn wir die Sünde nicht ertöten, dann tötet sie uns. Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unsrem Herrn (Rö.6.23).
Wir wollen zu diesem Punkt festhalten: „Das Fleisch muss man kreuzigen und die Dämonen austreiben.“ (Das Fleisch kann man nicht austreiben und die Dämonen kann man nicht kreuzigen.) Auf keinen Fall wollen wir die Sünde noch dulden in unsern Leben.
2. Schlechte Haltungen ablegen.
Verse 8-10: „Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund. Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat!“
Die hier aufgezählten Dinge wie Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und schändliches Reden werden oft nicht sogleich als Sünde erkannt oder man sucht sie zu entschuldigen. Sie sind aber klar ein Teil der alten Schöpfung und müssen abgelegt werden. Es kann notwendig sein, dass wir dabei Befreiung und die geistliche Hilfe von Geschwistern brauchen.
Jak.1.21: „Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und all die viele Schlechtigkeit, und nehmt das eingepflanzte Wort mit Sanftmut auf, das eure Seelen zu erretten vermag.“
1.Petr.2.1: „Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und alles üble Nachreden.“
Diese Ermahnungen zu beachten bedeutet, in der Heiligung zu leben.
3. Geistesfrucht anziehen, Gnade erweisen.
Verse 12 +13: „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut! Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie der Herr euch vergeben hat, so auch ihr!“
Hier sind die gleichen Elemente der Geistesfrucht aufgezählt, wie wir sie auch in Gal.5.22 finden. Diese zeichnen uns aus als solche, die das suchen, was droben ist. Auch die Vergebung ist angesprochen. Es ist wichtig, dass wir allezeit vergeben. Die Schrift nennt aber zwei Situationen, bei denen wir uns besonders prüfen sollen; wenn wir beten und vor dem Mahl des Herrn.
4. Über alles die Liebe anziehen.
Vers 14: “ Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist!“
1.Thess.5.8: „Bekleidet mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe.“
Die Liebe ist ein Panzer, der uns schützt vor Verletzungen. Wenn wir ständig verletzt sind, sollten wir uns in diesem Punkt prüfen: Habe ich wirklich den Panzer der Liebe angezogen? Wir können die Liebe nicht selbst produzieren. Rö.5.5 sagt uns aber, dass die Liebe Gottes (Agape) in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist. So wie wir morgens unsere Kleider anziehen, genau so wollen wir auch die Liebe anziehen. Herr ich danke dir, dass die Liebe in mein Herz ausgegossen ist. Mit ihr werde ich auch heute befähigt sein, in jeder Situation Liebe zu üben.
5. Der Friede des Christus soll uns regieren.
Vers 15: „Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen.“
Wenn uns nicht der Friede Regiert, dann regieren uns andere Dinge und unser Leben ist belastet. Durch den Frieden Gottes werden unsere Herzen und Gedanken in Christus Jesus bewahrt (Phil.4.7). Nur wenn Frieden und Ruhe in unseren Herzen ist, können wir unseren Dienst richtig ausführen. Dies sehen wir aus dem Bericht in 2.Kor.2.12+13. Paulus kam nach Troas und hatte dort eine offene Tür. Weil er aber in seinem Geist keine Ruhe hatte, nahm er trotz der offenen Tür Abschied und zog nach Mazedonien weiter.
6. Berufung in einen Leib respektieren, dankbar sein.
Vers 15, 2.Teil: „Zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib! Und seid dankbar!“
Wenn wir in einen Leib berufen worden sind, wollen wir einander auch in Liebe annehmen.
Rö.15.7: „Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!“
An diese Berufung in einen Leib wollen wir auch immer denken, wenn wir das Mahl feiern. Auch im Bereich der Geistesgaben wollen wir einander respektieren und annehmen. Der Herr hat nicht alle Gaben in ein Glied hinein gelegt, sondern Er hat es in den Leib Christi hinein gegeben. Darum sollen sich die verschiedenen Glieder gegenseitig ergänzen, und das können sie nur, wenn sie einander in der Liebe annehmen.
7. Das Wort des Christus reichlich wohnen lassen.
Vers 16: „Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig!
1.Kor.1.6: „Wie denn das Zeugnis des Christus unter euch gefestigt worden ist.“
Im Wort ist göttliche Autorität, das sehen wir bei der Versuchung Jesu, wie Er den Satan mit dem Wort besiegte. Gegen das Wort hat der Feind keine Waffe, denn es ist das Schwert des Geistes. Das Wort enthält auch die richtige Offenbarung in Bezug auf die unsichtbare, geistliche Welt. Alle anderen Quellen sind verführerisch und führen ins Verderben. Hier geht es speziell um „das Wort des Christus“, um das Geheimnis Christi, das uns als Evangelium verkündigt worden ist. Wir sollen die gewaltigen Tatsachen festhalten und uns gegenseitig daran erinnern, was wir in Christus geworden sind.
8. Gott singen mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern.
Vers 16: „Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!“
Eph.5.18+19: „Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt!“
Ich bin überzeugt, dass der Himmel voll ist von Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern. Wir werden die Ewigkeit in dieser Atmosphäre verbringen. Wenn wir das, suchen was droben ist, dann wollen wir uns jetzt schon in dieser himmlischen Atmosphäre bewegen, indem wir so viel wie möglich Gott singen mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern. Da wo wir es nicht mit lauter Stimme tun können, wollen wir dem Herrn in unseren Herzen singen und spielen (Eph.5.19). Das ist der Weg, um allezeit voll Geistes zu sein.
9. Alles im Namen des Herrn Jesus tun und dabei dem Vater Dank sagen.
Vers 17: „Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch Ihn!“
Wenn wir suchen was droben ist, tun wir auch unsere alltäglichen Dinge nicht mit Murren und Klagen, sondern wie dieses Wort sagt; wir tun es im Namen Jesu und mit Danksagung. Auch was wir im Wort tun, soll im Namen des Herrn Jesus geschehen. Wie viel reden wir doch jeden Tag und was für ein Segen ist es doch, wenn es in Seinem Namen geschieht. Das bedeutet, aus Ihm heraus oder als von Ihm gesandte. Es heisst hier: „Alles was wir im Wort tun“; nicht nur am Sonntag oder in den Versammlungen. Welch ein Segen wird das für uns und für unsere Umgebung bringen, wenn wir solche Worte beachten.
10. In jedem Stand in der schriftgemässen und gottgewollten Unterordnung leben und damit Gottes Ordnungen mit willigem Herzen akzeptieren.
Ausschnitte aus den Versen 18 bis Kap.4.1:
- „Ihr Frauen, ordnet euch den Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt.“
- „Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie.“
- „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem! Denn dies ist wohlgefällig im Herrn.“
- „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden!“
- „Ihr Sklaven, gehorcht in allem euren irdischen Herren, nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern in Einfalt des Herzens, den Herrn fürchtend! Was ihr auch tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass ihr vom Herrn als Vergeltung das Erbe empfangen werdet, ihr dient dem Herrn Christus.“
- „Ihr Herren, gewährt euren Sklaven, was recht und billig ist, da ihr wisst, dass auch ihr einen Herrn im Himmel hab!“
Es stehen Anweisungen für Frauen, Männer, Kinder, Väter (Eltern), Knechte (Angestellte) und Herren (Vorgesetzte). Unser irdisches Leben soll Zeugnis ablegen von unserer himmlischen Berufung. Wir sollen nicht rebellische Menschen sein, sondern in Gottes Ordnungen leben, dann kommen wir innerlich zur Ruhe und haben ein gesegnetes Leben.
11. In Gebet, Danksagung und Fürbitte verharren.
Kol.4.2+3: „Haltet fest am Gebet, und wacht darin mit Danksagung; und betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür des Wortes öffne, das Geheimnis des Christus zu reden, dessentwegen ich auch gebunden bin.“
Eph.6.18: „Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wachet hierzu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen und auch für mich!“
Ich denke, dass wir alle darin noch wachsen können und uns vermehrt dem Herrn darin hingeben. Dieser Bereich zählt auch zu den Punkten, in denen wir unter Beweis stellen, dass wir das suchen, was droben ist.
12. Gegenüber den Aussenstehenden mit Weisheit wandeln, die Zeit auskaufen. Herzgewinnende, mit Salz gewürzte Rede, wenn wir uns zu verantworten haben.
Kol.4.5+6: „Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draussen sind, kauft die rechte Zeit aus! Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt; ihr sollt wissen, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt!“
Anhand dieser zwölf Punkte wollen wir uns fragen: „Trachte ich nach dem, was droben ist, oder weist mein Leben darin noch Lücken und grosse Mängel auf?“ Wenn wir in unserem Geiste in die himmlischen Örter versetzt sind, wird sich dies in einem Gott wohlgefälligen und geistgewirkten Wandel ausdrücken. Das geistliche Vermögen dazu haben wir durch den Heiligen Geist empfangen. Lasst uns das, was droben ist, mehr lieben als das, was auf Erden ist, dann haben wir die Erwartung, mit Ihm in Herrlichkeit offenbar zu werden.