Bibel-Themen

eine Sammlung von Beiträgen zu biblischen Themen

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Überwinden

Daniel Schenk

   Überwinden wird auch übersetzt mit „siegen“. Ein Überwinder ist ein Sieger oder anders ausgedrückt, ein Siegender. Die Worte „überwinden“ und „siegen“ weisen hin auf Kampf und auf Hindernisse, die besiegt oder überwunden werden müssen. Errettet sind wir aus Gnaden, aber das Ziel, die Verwandlung in Christi Bild, erlangen wir nur, wenn wir überwinden!


Was muss überwunden werden?

Das Fleisch: (Rö.7.5) Der natürliche Mensch ist geistlich tot und lebt vollkommen im Fleisch, d.h. in seiner irdisch ausgerichteten und menschlichen Gesinnung und Natur. Dieser Zustand führt in das Verderben. Als wiedergeborene Menschen aber leben wir im Geist (Rö.8.9). Aus der Lehre über Geist, Seele und Leib wissen wir, dass wir nicht einfach nur ein Geisteswesen sind, sondern auch eine Seele und einen Leib haben. Sowohl der Geist, als auch die Seele und der Leib haben ihren Willen und möchten zur Geltung kommen und unser Dasein bestimmen. Dabei ist der Geist himmlisch, der Leib aber irdisch ausge­richtet. In unserem Willen, der ein Teil der Seele ist, treffen wir die Ent­scheidung, wem wir Raum geben wollen. Überwinden heisst also, in der Seele die Entscheidung zu treffen, dass der Geist Herr sein soll und dass das Fleisch sich zu unterordnen hat. Wenn wir das tun, werden wir leben (Rö.8.12; Gal.5.16+17). Wenn wir diese Entscheidung nicht treffen, dann herrscht automa­tisch das Fleisch, dazu braucht es keine Überwindung. Der fleischliche Zu­stand stellt sich immer sofort ein, wenn der Geist nicht Herr sein kann und dann werden die „Werke des Fleisches“ offenbar, wie sie aufgezählt sind in Gal.5.19‑21: „Ehebruch, Hurerei, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Grimm, Ränkesucht, Zwistigkeit, Sektenbildung, Neid, Mord, Rausch, Ausgelassenheit und dergleichen.“ Überwinden heisst nicht, aus eigener Kraft und Anstrengung den Willen Gottes zu erfüllen, das kann kein Mensch vollbringen. Überwinden können wir auch nicht durch das Gesetz. Dieses appelliert an das „Fleisch“ und ist deshalb zu schwach (Rö.8.3). Wir müssen das Wirken des Fleisches durch den Geist überwinden, das ist der neue, von Gott gebahnte Weg und auf dem haben wir Erfolg. Wenn wir die Entscheidung für den Geist und für den Gehorsam gegen Gott treffen, dann tritt das Gesetz des Geistes des Lebens in Kraft und macht uns frei von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Rö.8.2: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus befreit dich vom Gesetz der Sünde und des Todes.“

   Weil Jesus in Allem überwunden hat, können auch wir durch Ihn und in Ihm überwinden, wir haben ja Christus angezogen als wir in der Taufe mit Ihm begraben worden sind. Das Bekenntnis zu dieser Tatsache ist eine sehr wirksame Waffe gegen alle Arten von Versuchung. Jesus sprach: „es steht geschrieben“, und damit überwand Er den Satan. Am Kreuze aber, als Er unsere Sünden auf sich geladen hatte, konnte Er nicht nur sprechen, da schwieg Er wie ein Lamm und hat so durch Sein Leiden und Sterben die Sünde, den Tod und die Hölle besiegt. Dieser Sieg steht uns jetzt zur Verfügung und wir machen Gott und unserem Herrn Jesus Christus Ehre, wenn wir ihn beanspruchen und dadurch Überwinder sind.

Die Welt: Das sind alle Einflüsse und Versuchungen, die von der Sichtbarkeit her auf uns einwirken. Jesus wurden alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit gezeigt, und der Versucher hat zu Ihm gesagt: „dies alles will ich dir geben, wenn du vor mir niederfällst und mich anbetest“. Jesus hat auch in diesem Punkt völlig überwunden und dem Vater die Ehre gegeben. Das Reich des Vaters, das Er im Auge hatte, hat viel mehr Herrlichkeit als alle Reiche dieser Welt zusammen. Lasst uns die Prioritäten richtig setzten, wenn uns die Welt Ange­bote macht. Sobald wir anfangen, nach irdischer Macht und Herrlichkeit zu streben, sind wir auf einem gefährlichen Weg. Wir sollen durch unser Leben beweisen, dass wir Fremdlinge und Pilger sind auf dieser Erde.

Hebr.13.14: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Kol.3.1‑4: „Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnet auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.“

   Solange wir noch in dieser Welt leben, haben wir auch irdische Bedürfnisse. Der Herr kennt sie und die Schrift sagt, dass Gott allen reichlich zu Genies­sen darbietet (1.Tim.6.17). Er will nicht, dass wir uns Sorgen machen um die Zukunft und um unseren Lebensunterhalt. Wir dürfen die Dinge, die Er uns zum Leben schenkt, geniessen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Sobald wir aber anfangen, nach Reichtum zu streben, kommen wir in grosse Gefahr. Habsucht wird in Kol.3.5 als Götzendienst bezeichnet der den Zorn Gottes über die Söhne der Widerspenstigkeit bringt.

1.Tim.6.9‑11: „Die aber reich werden wollen, Fallen in Versuchung und Fall­strick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Men­schen in Verderben und Untergang versenken. Denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe, nach der einige getrachtet haben und vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. Du aber, Mensch Gottes, fliehe diese Dinge.“

1.Joh.2.15‑17: „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt ver­geht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.“

   Weil Jesus nach Joh.16.33 die Welt überwunden hat, haben auch die Gläubigen Vollmacht, sie zu überwinden.

1.Joh.5.4+5: „Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat; unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“

Satan, die dämonischen Mächte und falschen Lehren: Satan tritt oft auf wie ein brüllender Löwe und tut, als hätte er gewaltige Kräfte. In Wirklich­keit ist er aber durch den Sieg von Golgatha völlig entwaffnet und besiegt. Wenn wir das wissen, können wir seine Angriffe durch den Schild des Glaubens abwehren und ihn durch das Schwert des Geistes in die Flucht schlagen (Eph.6). Weil Satan keine Macht mehr über die Gläubigen hat, versucht er es mit List und Verführung und davor müssen wir auf der Hut sein. Seine Diener, und das sind nicht nur die Dämonen, sondern auch Menschen, die falsche Lehren verbrei­ten, treten oft auf als Engel des Lichts oder als betrügerische Apostel (2.Kor.11.13‑15). Durch achten auf den Heiligen Geist und durch festhalten am Wort Gottes können wir auch diese listigen Anschläge unbeschadet über­winden.

1.Joh.2.13+14: „Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, weil ihr den Bösen über­wunden habt. Ich habe euch geschrieben, Kinder, weil ihr den Vater erkannt habt. Ich habe euch, Väter, geschrieben, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich habe euch, ihr jungen Männer, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt.“

1.Joh.4.4: „Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie (die falschen Propheten) überwunden, weil der, welcher in euch ist, grösser ist als der, welcher in der Welt ist.“

Off.12.11: „Und sie haben ihn (den Verkläger der Brüder) überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen.“

 Krankheit und Tod: Dies kann geschehen, indem Menschen unter Handauflegung und Gebet im Namen Jesus geheilt werden. Oft wird Krankheit und Tod auch dadurch überwunden, dass sich der Gläubige trotz Krankheitssymptomen zum Sieg von Golgatha über Sünde, Krankheit und Tod bekennt und so durch seinen Glauben die Heilung erlangt. Auf jeden Fall hat Jesus am Kreuz nicht nur unsere Sünden, sondern auch unsere Krankheiten und Schmerzen getragen.

Die Furcht: Furcht ist eine Form von Unglauben, ein Misstrauen gegenüber dem Reden und Handeln Gottes. Furcht kann uns völlig lähmen und blockieren. Gott will nicht, dass wir uns fürchten, deshalb steht in der Bibel immer wieder geschrieben: „fürchtet euch nicht!“ In uns kann der Gedanke aufsteigen, dass etwas Schlimmes passieren, dass Gott uns nicht helfen oder dass wir an einer Krankheit sterben würden. Es können auch Gedanken der Anklage sein oder die Furcht, bei der Entrückung zurückzubleiben. Letzteres kann berechtigt sein, wenn wir nicht im Geiste wandeln. Lasset uns unser Leben geistlich ausrichten und die Furcht im Namen Jesus von uns weisen, denn oft handelt es sich um einen Geist der Furcht. Das Vertrauen zum Wort und die völlige Liebe zum Herrn treiben die Furcht aus.

1.Joh.4.18+19: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“

– Das Böse: Was uns die Menschen böses antun, sollen wir durch das Gute über­winden.

Rö.12.21: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten“

Die Vernunft: Unsere Vernunft ist gut und segensreich, wenn wir sie am richtigen Ort anwenden. Wenn wir aber die Vernunft an die Stelle des Glaubens setzen und damit Gott erkennen und Seinen Ratschluss verstehen wollen, dann wenden wir das falsche Werkzeug an. Die Vernunft kann ein grosses Hindernis sein für das Glaubensleben. Deshalb sollen wir alle Vernunftschlüsse gefangen nehmen unter den Gehorsam gegen Christus. Wir überwinden, wenn wir unsere Gedanken den Aussagen Gottes unterordnen.

2.Kor.10.4+5: „Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir Vernünfteleien (Konkord.Ue. Vernunftschlüsse) und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi.“

Verfolgungen und Leiden: Wenn wir von Überwindern reden, denken wir auch an unsere Brüder und Schwestern, die um des Namens Jesu willen Verfolgungen erleiden und trotzdem unerschütterlich am Glauben festhalten.


Überwinden durch unser Reden

Es kann sein, dass wir keine guten Gefühle haben und unsere Lebensumstände unerfreulich sind. In solchen Situationen ist die Versuchung gross, dass wir anfangen, negativ zu reden. Da gilt es, unsere Zunge im Zaum zu halten und in Bezug auf unser Reden zu überwinden. Wir lesen in 1.Petr.4.11: „Redet jemand, so seien seine Worte wie Aussprüche Gottes!“ Die meisten von uns reden täglich viele Worte, wie sieht aber der Inhalt unseres Redens aus? Erweisen wir uns als Sprecher Gottes, oder reden wir einfach so, wie es uns gerade zumute ist? Wenn unser Reden nichts anderes Ausdrückt als unsere Gefühle und Meinungen, dann haben unsere Worte keine Wirkung gegen den Feind. Wenn wir uns aber die Aussprüche der Bibel zu Eigen machen, überwinden wir Satan durch unser Reden.

Off.12.11: „Und sie haben ihn (den Verkläger unserer Brüder) überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen.“

In Psalm 91,2 lesen wir von dem, der im Schirm des Höchsten wohnt und im Schatten des Allmächtigen weilt, dass er zum Herrn spricht: „Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue.“

   Überwinden können wir nur durch Glauben. Den Glauben haben wir einerseits im Herzen, aber auch im Munde, durch unsere Aussprüche.

Rö.10.8‑10: „Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen. Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, dass, wenn du mit deinem Munde Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zum Heil.“

2.Kor.4.13: „Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet ‑, so glauben auch wir, darum reden wir auch.“

   Es ist wichtig, dass wir diese schriftgemässe Reihenfolge nicht umkehren, indem wir zuerst reden und nachher glauben wollen, sonst funktioniert es nicht und statt zu überwinden, werden wir unterliegen.


Verheissungen für die Überwinder aus den sieben Sendschreiben:

Ephesus; Off.2.7: dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher im Paradies Gottes ist.

Smyrna; Off.2.11: er wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod.

Pergamon; Off.2.17: dem werde ich von dem verborgenen Manna geben; und ich werde i einen weissen Stein geben und, auf den Stein geschrieben, einen neuen Namen, den niemand kennt, als wer ihn empfängt.

Thyatira; Off.2.26: dem werde ich Macht über die Nationen geben; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, wie Töpfergefässe zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe; und ich werde ihm den Morgenstern geben.

Sardes; Off.3.5: der wird mit weissen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen aus dem Buch des Lebens nicht auslöschen und seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.

Philadelphia; Off.3.12: den werde ich im Tempel meines Gottes zu einer Säule machen, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen.

Laodicea; Off.3.21: dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.

   Wir sehen, dass die Verheissungen für die Überwinder nicht abhängig sind vom Stand der jeweiligen Gemeinde. In jeder Gemeinde gab es Überwinder und diejenigen aus Gemeinden mit einem schlechten Gesamtzeugnis hatten nicht weniger gewaltige Verheissungen. Daraus ersehen wir, dass nicht die Lebensum­stände, auch nicht die Zustände in der örtlichen Gemeinde ausschlaggebend sind, ob wir Überwinder sein können oder nicht. Überwinden ist etwas persönliches, und Gelegenheit dazu hat jedes von uns genug an dem Platz, an den wir gestellt sind. Lasst uns diese Gelegenheiten als eine Möglichkeit zur Verherrlichung Gottes erkennen und nicht als Plage. Wir werden nur echte Freude erleben, wenn wir überwinden. Sonst ist ständig die Anklage da. Wenn wir Sieg haben, dann haben wir auch Freude, und diese Freude des Überwinders wünsche ich allen Lesern mit Röm.8.37: „Aber in diesem allem sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.“

(Jan. 1994 + Juni 2001)

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