Bibel-Themen

eine Sammlung von Beiträgen zu biblischen Themen

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Vom Fluch des Gesetzes losgekauft

Galater 3.13 

Daniel Schenk 

Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!“ (Gal.3.10)

An dieser Stelle spricht die Bibel eindeutig vom Gesetz Gottes, das heisst, von den Geboten, die Mose am Sinai von Gott erhielt und die er dem Volk Israel weitergab. Vom Erfüllen oder Nichterfüllen dieses Gesetzes hing für sie Segen oder Fluch, Leben oder Tod ab und zwar sowohl für den einzelnen wie für das Volk als Gesamtheit. Das Volk Israel erhielt seine Verfassung und seine Ge­setze direkt von Gott. Die Israeliten hatten die herrlichste und auch die fortschrittlichste Gesetzgebung der damaligen Zeit. Das Gesetz Mose enthielt sogar Hygienevorschriften, obschon man davon damals noch nichts wusste. Es hat sich z.B. im Mittelalter immer wieder gezeigt, dass die Juden durch ihre Waschvorschriften vor Seuchen wie der Pest verschont worden sind. Das Gesetz war für den gläubigen Israeliten etwas sehr kostbares. Seine Herrlichkeit wird unter anderem beschrieben im Psalm 119, dem sogenannten „goldenen Alphabet“. Nachstehend sind ein paar Verse davon aufgeführt:

47: „Ich habe meine Lust an deinen Geboten, die ich liebe.“

72: „Lieber ist mir das Gesetz deines Mundes als Tausende von Gold‑ und Silber­stücken.“

92: Wäre nicht dein Gesetz meine Lust gewesen, dann wäre ich verlorengegangen in meinem Elend.

97+98: „Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag. Dein Gebot macht mich weiser als meine Feinde. Denn Ewig ist es mein!“

105: „Eine Leuchte für meinen Fuss ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad.“

165: „Grossen Frieden haben die, die dein Gesetz lieben. Sie trifft kein Strau­cheln.“

   Das Gesetz hatte eine solch grosse Herrlichkeit, dass sogar das Angesicht Moses leuchtete, als er mit den Gesetzestafeln aus der Gegenwart Gottes vom Berge Sinai herunterkam. Es war also etwas Gutes und es hatte auch die Ver­heissung des Lebens für den, der es erfüllt. Gerade darin lag aber die Not, dass der Mensch in seiner von Adam ererbten, sündhaften Natur das Gesetz nicht halten konnte. Dadurch traten an Stelle der Verheissungen von Segen und Leben die negativen Aussprüche in Kraft, die bei Ungehorsam gegenüber dem Gesetz Fluch und Tod bedeutet haben. Das Gesetz hatte keine Gnade, es konnte nicht Schuld vergeben. Im Gesetz war auch keine Erlösung, der Mensch wurde dadurch nicht von seiner Sündennatur befreit. Es konnte nur erziehen und zurechtweisen. Weil er aber nicht im Willen Gottes lag, die Menschen einfach zu bestrafen und zu verurteilen, hat Er selbst eine bessere und voll­kommene Lösung gesucht und gefunden (Hebr.9.12). Es gab keine billige Lösung, denn das Gesetz konnte nicht einfach aufgehoben und ausser Kraft gesetzt werden. Die Aussprüche Gottes sind nicht Menschenworte, die unbeständig sind. Die drei folgenden Bedingungen mussten erfüllt werden:

  1. Das Gesetz musste vollkommen erfüllt und gehalten werden.
  2. Für die durch Übertretung des Gesetzes entstandene Schuld brauchte es Sühnung und Vergebung.
  3. Es musste eine Erlösung und Befreiung von der seit Adam in jedem Menschen wohnenden Sündennatur geschaffen werden.

   Halleluja und noch einmal Halleluja! Lobpreis und Dank sei Gott dem Vater und Seinem Sohn Jesus Christus! Die Lösung wurde gefunden. Es gab nur einen Einzigen im Himmel und auf Erden, der in der Lage war, alle die oben erwähnten Bedingungen zu erfüllen. Es war der Sohn Gottes, Jesus Christus, und Er war bereit, dieses Erlösungswerk für uns zu vollbringen. Er kam als Mensch auf diese Erde und hat durch vollkommenen Gehorsam gegenüber Gott das Gesetz erfüllt. Dann liess Er sich für uns zur Sünde machen, indem Er unser aller Schuld und Sünde auf sich nahm und am Kreuz auf Golgatha dafür die Strafe ertrug. Er hat aber auch unsere Sündennatur, unseren „alten Menschen“ mit an das Kreuz genommen. So sind wir also „mit Christus gekreuzigt“ worden und der von der Sünde beherrschte Leib wurde unwirksam gemacht. Somit ist durch das Opfer Jesu auf Golgatha der Fluch, der auf uns lastete, gebrochen worden. Wer ungläubig bleibt, erfährt von dem allen nichts, es geschieht keine Veränderung in seinem Leben. Wer aber dem Worte Gottes Glauben schenkt und diese Erlösung für sich annimmt, erlebt eine wunderbare Verwandlung seines Lebens. Gott hat für uns auch sichtbare Bezeugungen der Annahme dieser herrli­chen Erlösung angeordnet. Die eine ist die Taufe durch Untertauchen im Wasser. Damit bezeugen wir, dass wir mit Christus gestorben und begraben sind; aber auch, dass wir zusammen mit Ihm auferweckt worden sind zu einem neuen Leben. Die andere Handlung ist das „Mahl des Herrn“, darin bezeugt die Gemeinde ihre Verbundenheit mit dem Blute und auch mit dem gebrochenen Leib des Herrn und feiert ein „Gedenken“ an das Opfer von Golgatha.


Worin besteht der Fluch des Gesetzes?

Nachdem das Volk Israel das Gesetz empfangen hatte, befahlen Mose und die Ältesten dem Volk: „Bewahrt das ganze Gebot, das ich euch heute befehle.“ (5.Mose 27.1). Dann wurde ein Altar aus unbehauenen Steinen gebaut, diese waren mit Kalk zu bestreichen und alle Worte des Gesetzes darauf zu schreiben. Je eine Abord­nung der Stämme Simon, Levi, Juda, Issaschar, Joseph und Benjamin sollten auf dem Berg Garazim stehen und den Segen aussprechen. Ebenso sollte eine Abordnung der Stämme Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naftali auf dem Berg Ebal stehen und den Fluch aussprechen. Was der „Segen des Gesetzes“ bei Gehorsam oder der „Fluch des Gesetzes“ bei Ungehorsam bedeutet, kann in 5. Mose, Kap. 27 und 28 nachgelesen werden. Die Bibel sagt klar, dass wer unter dem Gesetz steht, schuldig ist, das ganze Gesetz zu erfüllen:

Gal.5.3: „Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.“

Gal.3.10: „Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun:“

Jak.2.10: „Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“

   Wegen der innewohnenden Sünde ist aber das Fleisch zu schwach, um das Gesetz vollkommen zu erfüllen. Deshalb bringt das Gesetz, das eigentlich zum Segen und Leben gegeben war, den Fluch und den Tod (die Verurteilung) für den, der unter dem Gesetz steht (Rö.7.10).


Wozu dient das Gesetz?

Rö.3.20: „Durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“

Rö.7.7: „Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch Gesetz.“

   Nach Gal.3.23 war im Gesetz eine gewisse Bewahrung, sozusagen eine „Schutz­haft“ auf den Glauben hin.

Das Gesetz ist auch ein „Zuchtmeister“ oder „Erzieher“ auf Christus hin (Gal.3.24). Paulus verwendet ein Bild aus der damaligen Zeit. Die griechischen und römischen Väter hielten für ihre 6‑16jährigen Knaben Sklaven, die für die Erziehung zuständig waren. Diese „Zuchtmeister“ waren sehr streng und die Knaben waren sicher sehr froh, wenn die Zeit kam, wo sie nicht mehr diesen „Erziehern“ unterstellt waren.

   Es war für die Gläubigen aus der Beschneidung nicht einfach zu verstehen, dass man ohne Gesetzeswerke, allein durch den Glauben gerecht werden kann. Deshalb versuchten sie immer wieder, ihren gesetzlichen Einfluss in die Nationengemeinden zu tragen. Paulus hatte diesbezüglich einen grossen, geist­lichen Kampf zu führen und er ist sogar dem Apostel Petrus entgegengetreten (Gal.2.11‑17). In Gal.4.19 bezeichnet er dieses Ringen als „Geburtsschmerzen“, die er wiederum leidet, bis dass Christus in ihnen Gestalt gewinnt. Er ver­gleicht dann in Gal.4.21‑30 die zwei Bündnisse (alten und neuen Bund) mit Hagar und Sarah, resp. Ismael und Isak. Er weist darauf hin, dass nicht der Sohn der Magd (Gesetz) sondern der Sohn der Freien (Gnade) der Erbe sein wird. Dass die Gesetzlichkeit für die Gläubigen eine grosse, geistliche Gefahr bedeutet, sagen auch die folgenden Verse:

Gal.5.1‑5: „ Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht. Steht nun fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten. Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden lasst. Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen. Wir nämlich erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.“

   Durch die Annahme der Glaubensgerechtigkeit werden wir nicht oberflächliche, leichtfertige und gesetzlose Menschen. Sondern der Geist wirkt das in uns, was das Gesetz gefordert hat, nämlich ein geheiligtes Leben in der Gegenwart Gottes. Es geschieht von innen nach aussen und nicht umgekehrt.

Rö.8.3+4: „Denn das dem Gesetz unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.“

Gal.5.18: „Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter Gesetz.“

Hebr.8.10: „Meine Gesetze gebe ich in ihren Sinn und werde sie auch auf ihre Herzen schreiben; und ich werde ihnen Gott und sie werden mir Volk sein.“

   Es gibt viele Schriftstellen, die sich mit der Stellung des Gesetzes im neuen Bund befassen. Insbesondere finden wir diese im Römerbrief, Kap. 3+4; Galaterbrief Kap. 2‑5 und Hebräerbrief Kap. 7‑10. Das Gesetz wird durch die Glaubensgerechtigkeit nicht aufgehoben, sondern erfüllt (Rö.3.31). Wir dürfen das Gesetz nicht als einen Weg zum Heil anwenden wollen, sonst fallen wir aus der Gnade, die uns in Christus geschenkt ist (Gal.5.4).

Gal.4.4+5: „Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die loskaufte, die unter Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen.“

Gal.3.13: „Christus hat uns aus dem Fluch des Gesetzes erkauft, weil er um unsertwillen zum Fluch wurde.“ Amen.

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