Vorherbestimmt
Römer 8. 28–30
Daniel Schenk
Gibt es eine Vorherbestimmung Gottes für unser Leben?
Ja, denn die Schrift redet klar von Auserwählung, Vorherbestimmung und Berufung. Diese stehen aber im Zusammenhang mit dem „Vorherwissen“ Gottes, wie es Petrus ausdrückt in 1.Petr.1.1: „Auserwählt nach der Vorkenntnis Gottes des Vaters.“ So gehen wir davon aus, dass die Erwählung Jakobs darauf beruhte, dass Gott voraus wusste, dass Esau sein Erstgeburtsrecht verachten und verkaufen würde, dass Jakob aber, obwohl er als der Jüngere kein Anrecht darauf hatte, alles daran setzten würde, dieses zu erlangen. Das Anrecht auf den Erstgeburtssegen war ihm wichtiger als die vergängliche, irdische Speise und diese Haltung hat Gott gefallen.
Rö.9.11-14: „Denn als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten – damit der nach freier Auswahl gefasste Vorsatz Gottes bestehen bliebe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden – wurde zu ihr (Rebekka) gesagt: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen“; wie geschrieben steht: „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“ Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne!“
Diese Geschichte, die uns in 1.Mose 25.23-34 erzählt wird, gibt uns Einblick in ein göttliches Prinzip der Berufung und Erwählung. Gott hätte ja bewirken können, dass Jakob vor seinem Zwillingsbruder Esau geboren wäre und somit die allgemein gültigen Ordnungen eingehalten worden wären. Doch Er hat solche markante Dinge geschehen lassen, damit wir Vorbilder und belehrende Beispiele aus der Schrift haben.
Es ist nicht so, dass wir die Erwählung und Berufung verdienen könnten, das ist immer Gnade, auch bei Jakob. Aber wir können sie entweder annehmen oder verachten, und das ist entscheidend.
Nach Seinem Vorsatz berufen
Vorsatz, griech. „prothesis“, es schliesst Absicht, Entschluss und Planung ein.
Rö.8.28: „Denen, die nach Seinem Vorsatz berufen sind.“
Eph.1.11: „Und in Ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat seines Willens wirkt, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien.“
2.Tim.1.9: „Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber geoffenbart worden ist.“
Vorher erkannt
griech. „proginosko“ = im Voraus begreifen oder erkennen, vorherwissen, vorauswissen.
Dieses Vorherwissen und die Vorherbestimmung Gottes beziehen sich in der Schrift immer auf die Rettung und nie auf das Verderben.
Rö.8.29: „Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein.“
1.Kor.8.3: „Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von Ihm erkannt.“
Gal.4.9: „Jetzt aber habt ihr Gott erkannt – vielmehr ihr seid von Gott erkannt worden.“
2.Tim.2.19: „Der Herr kennt, die sein sind.“
Vorherbestimmt
griech. „proorizo“ = vorherbestimmen, im Voraus entscheiden
Rö.8.29 + 30: „Die hat er auch vorherbestimmt. (30) Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen.“
Eph.1.5: „Und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst.“
Rö.9.23: „Gefässe des Erbarmens .., die er zur Herrlichkeit vorher bereitet hat.“
Berufen
Es gibt im Griechischen zwei Worte, die mit „berufen“ übersetzt werden:
– „kletos“ = berufen, eingeladen, ernannt.
– „kaleo“ = rufen, herbeirufen, einladen (enthält die Vorstellung von Berufung oder Bestimmung.
Rö.1.6: „Unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi.“
Rö.8.30: „Die hat er auch berufen.“
Rö.9.24: „Uns, die er auch berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen.“
Gal.1.6: „Der euch durch die Gnade Christi berufen hat.“
Eph.4.1: „Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid.“
Eph.4.4: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung.“
Kol.3.15: „Zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib.“
1.Thess.2.12: „Der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft.“
1.Thess.5.24: „Treu ist er, der euch beruft; er wird es auch tun.“
2.Tim.1.9: „Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf.“
1.Petr.1.15: „Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist.“
1.Petr.2.9: „Der euch zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.“
1.Petr.5.10: „Der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit.“
2.Petr.1.3: „Der uns berufen hat durch seine eigene Herrlichkeit.“
Dies sind nur einige der Schriftstellen, die von „berufen“ reden. Von „Berufung“ lesen wir zudem in den folgenden Worten: 1.Kor.1.26; Eph.1.18; Eph.4.1; Phil.3.14; 2.Thess.1.11; Hebr.3.1 und 2.Petr.1.10.
Auserwählt
Griech. „eklegomai“ = wählen, es bedeutet erwählen, auswählen, für sich wählen.
Dabei ist nicht zwingend die Ablehnung oder Verwerfung dessen gemeint, was nicht gewählt wurde, sondern die Bevorzugung des Gewählten. Dabei ist für den Erwählenden der Aufbau einer Beziehung zum Gewählten im Blick. Das Wort beinhaltet den Vorzug und die Erwählung unter vielen. (Abgeleitet aus dem Sprachschlüssel der Elberfelder Studienbibel).
Rö.8.33: „Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben?“
1.Kor.1.27: „Sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt.“
Eph.1.4: „Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt.“
Kol.3.12: „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte.“
1.Petr.1.1: „Den Fremdlingen .., die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes des Vaters.“
1.Thess.1.4: „Wir kennen, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.“
Dies sind einige der Schriftstellen, doch noch längst nicht alle, die von unserer Berufung, Auserwählung, Vorherbestimmung und vom Vorherwissen Gottes reden. Muss uns diese Tatsache nicht zu tiefer Dankbarkeit bewegen? Hat da noch irgendein Zweifel oder ein Murren Platz angesichts solch gewaltiger Gedanken Gottes des Vaters über unseren Leben?
Seine Gedanken sind viel höher als unser menschliches Denken. Deshalb ist es für uns schwierig, die Auserwählung, Vorherbestimmung und Berufung Gottes zu verstehen ohne dabei an Ungerechtigkeit zu denken, denn unsere Erfahrungen mit menschlichen Berufungen und Erwählungen waren oft negativ. Gott aber ist kein Mensch, Er ist vollkommen gerecht. Die Berufung Gottes beruht auf einer Liebesbeziehung, die wir nicht erklären können. Es ist, wie wenn ein Mann sich eine Frau auswählt um sie zu heiraten. Die Auswahl geschieht aus Liebe zu dieser Einen. Niemand käme es in den Sinn ihm zu unterstellen, dass er damit Verachtung für alle anderen Frauen zum Ausdruck bringen wolle. Die Erwählung dieser Einen vor allen anderen hat den Zweck, dass er mit ihr eine Familie gründen und eine Ehegemeinschaft aufbauen will. So ist es auch mit der Berufung und Auserwählung, wir müssen sie im Zusammenhang sehen mit dem Dienst und mit dem Plan Gottes, der doch letztlich zum Ziel hat, alle zu retten und alles unter die Herrschaft des einen Hauptes Christus zu stellen.
Eph.1.9-11: „Er hat uns ja das Geheimnis seines Willens zu erkennen gegeben nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgenommen hat in ihm für die Verwaltung bei der Erfüllung der Zeiten: alles zusammenzufassen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist – in ihm. Und in ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat seines Willens wirkt, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien.“
Macht uns diese Erkenntnis nicht hochmütig?
Sooft ich persönlich darüber nachdenke, was wohl Gott dazu bewogen hat mich zu berufen und zu erwählen, komme ich zu dem Schluss, dass es grenzenlose Liebe war und auch Erbarmen. Diese Erkenntnis macht mich nicht hochmütig, sondern erhält mich in der Demut und in tiefer Dankbarkeit. Sie gibt mir aber auch ein starkes Bewusstsein der Annahme und ein tiefes Vertrauen. Es ist ein Unterschied, ob ich mich als einen zufällig von Gott Gefundenen betrachte oder als jemand, der nach Seinem ewigen Ratschluss und Seiner Vorherbestimmung auserwählt und berufen ist.
Treu sein
- Petr.1.10: „Darum, Brüder, befleissigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln.“
Wie wir aus oben stehendem Wort sehen, ist es wichtig, wie wir mit unserer Berufung und Erwählung umgehen. Wir sollen sie „fest machen“, schreibt Petrus. Was bedeutet das? Ich verstehe das so, dass man sie nicht vernachlässigt, sondern darin lebt. Die vorangehenden Verse (2.Petr.1.5-8) reden vom „fest machen“ der Berufung und Erwählung. Dort steht geschrieben, dass wir „allen Fleiss aufwenden“ sollen und darreichen in unserem Glauben: Tugend, Erkenntnis, Enthaltsamkeit, Ausharren, Gottseligkeit, Bruderliebe, allgemeine Liebe.
Diese Dinge sollen in unserem Leben vorhanden sein als Frucht des Geistes und der neuen Schöpfung, dadurch wird unsere Berufung und Erwählung bestätigt, aber nicht verdient.
Die Schrift zeigt uns Beispiele von Berufenen und Erwählten, die in ihrem Bereich nicht treu waren und so ihre Stellung verloren haben. Der eine war Saul, wir lesen bei seiner Salbung folgendes: „Und Samuel nahm den Krug mit Öl und goss es auf sein Haupt, und er küsste ihn und sagte: So hat der Herr dich nun zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt!“ (1.Sam.10.1). In 1.Sam.10.24 sagt Samuel über Saul: „Da seht ihr, wen der Herr erwählt hat!“ Später lesen wir von Saul in 1.Sam.15.10: „Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und hat meine Worte nicht ausgeführt.“ Im gleichen Kapitel Vers 23 steht: „Weil du das Wort des Herrn verworfen hast, so hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König sein sollst.“ Das Festhalten am Wort Gottes und der Gehorsam sind die entscheidenden Punkte, in denen Saul versagt hat.
Ein anderes Beispiel ist Judas (der Verräter). Von ihm lesen wir in Joh.6.70: „Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel.“ Bei ihm war es die Habsucht, das ist Götzendienst, was er nicht aufgab. Das brachte ihn um seine Berufung, so dass ein anderer sein Aufseheramt erhalten hat (Apg.1.20+25).
Lasst uns treu sein in dem, was uns auf grund Seiner Berufung anvertraut ist, der Herr kommt bald! Amen.
(Okt. 1998)